Referenten

21. November 2017
Jens Petermann
ist gelernter und studierter Landwirt ohne familiäre Wurzeln in der Landwirtschaft. Er war bis 2007 konventioneller Landwirt und wurde ab einem Erosionsschaden im eigenen Betrieb ein konventionell „Unkonventioneller“. Die wirtschaftliche Lage kleiner und mittlerer Milchviehbetriebe der letzten Jahre erzwang den längst überfälligen Schritt zum Biobetrieb. Unbequeme Veränderungen verlangen nach Pionieren, auch bei der finanziellen Begleitung solcher Projekte. Seine innere Überzeugung für gesunde Stoffkreisläufe im Einklang mit Boden, Mensch, Tier und Pflanze lebt er in der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft.
„Der Boden braucht nicht uns, wir brauchen den Boden!”
Sepp Hägler
ist Biolandwirt mit Kalbinnenaufzucht und Mast und pfluglosem Ackerbau mit Wirtschaftsdüngeraufbereitung. Seine Erfahrung zeigt, dass Probleme der Tiergesundheit im Ungleichgewicht der Nährstoffversorgung im Boden liegen. Durch spezielle Bodenuntersuchungen und Pflanzenanalysen werden Nährstoffüberschüsse bzw. Mängel aufgedeckt. Durch die Umstellung der Düngung und Bodenbearbeitung wird Humus aufgebaut und dadurch der Boden wieder ins Gleichgewicht gebracht.
„Gesunder Boden – Gesunde Pflanzen – Gesunde Tiere – Gesunde Menschen”
Franz Rösl
ist seit 1997 Betreiber des Kompost- und Erdenwerkes Liemehna bei Leipzig und Braunkohle- und Tontagebau & Erdenwerk Friedrich-Zeche in Regensburg, wo huminsäurehaltige Weichbraunkohle (Leonardit) abgebaut wird. Er berät und arbeitet mit Landwirten zusammen mit Schwerpunkt Humusaufbau, Kompostierung, Verringerung von Nährstoffverlusten und Wirtschaftsdünger bzw. Gülleaufbereitung. Er ist Gründer der Interessengemeinschaft gesunder Boden.
„Gesunde Böden – Lebensgrundlage für gesunde Pflanzen, Tiere und Menschen”
Mareike Jäger
ist über die Mischkulturen im Bioackerbau zu den Agroforstsystemen gekommen. Hauptberuflich arbeitet sie seit 15 Jahren an der Schnittstelle zwischen Forschung, Beratung und Praxis an der Beratungszentrale AGRIDEA in der Schweiz, zuständig für die Themen Biolandbau und Agroforstsysteme. Davor war sie einige Jahre als Ackerbauberaterin für Bioland unterwegs. Im Rahmen eines Praxisprojekts begleitet sie Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz, die Parzellen auf Agroforstbewirtschaftung umstellen. Dabei begannen sie vor allem die Obstbäume derart zu faszinieren, dass sie sich zur Obstbaumpflegerin ausbilden liess und nun viele Stunden in eigenen und fremden Obstbäumen verbringt.
„Agroforst ist auch eine Vision, das künstliche Nebeneinander von Produktions- und Ökofläche aufzuheben”
Ulrich Hampl
ist Münchner Kindl und durch ein Landwirtschaftsstudium und Praxis zum absoluten Land-Ei geworden. Er hat 29 Jahre für die Stiftung Ökologie & Landbau in den Bereichen Beratung, Forschung, Erwachsenenbildung, Aufbau und Leitung des Seminarbauernhofs und Bauernhofkindergarten Gut Hohenberg, und als Bauernhofpädagoge gearbeitet. Jetzt ist er als Bauern- und Bodenbegleiter im Bodenfruchtbarkeitsfonds der Bio Stiftung Schweiz rund um den Bodensee tätig, als Demeter-Berater unterwegs und begeisterter Bienenhalter.
„Boden bewirtschaften heißt Leben ermöglichen!”
Hans-Christoph Vahle
ist Pflanzensoziologe mit Schwerpunkt auf Kulturlandschafts-Vegetation. Er promovierte über „Grundlagen zum Schutz der Vegetation oligotropher Stillgewässer in Nordwestdeutschland“ und habilitierte mit der „Gestaltbiologie von Pflanzengesellschaften“. Er führte viele pflanzensoziologische Kartierungen in Niedersachsen durch und war später mit Biotopkartierungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen beschäftigt. 2009 gründete er die Akademie für angewandte Vegetationskunde, arbeitete 2013 – 2014 an einem deutschlandweiten Wiesenprojekt mit der Abschluss-Broschüre „Gesundende Landschaften durch artenreiche Mähwiesen“ und leitet seit 2015 einen dreijährigen Ausbildungsgang „Feldbotanik und Pflanzensoziologie“, der jedes Jahr neu startet.
„Jedem Hof seine Wiesen!”
Johann Posch
ist gelernter Landwirt und bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit Schweinemast und Direktvermarktung. Vor ca. 15 Jahren hat er Effektive Mikroorganismen (EM) kennen gelernt. Mit Hilfe der Mikroorganismen hat er den Familienbetrieb Zug um Zug auf Bio
„Die Grenzen der Mikroorganismen sind nur in unseren Gedanken.”
Rudi Waas
betrieb anfangs einen konventioneller Gemüsebau. 1988 Umstellung auf den ökologischen Landbau (Bioland). Basis war ein sehr kleiner landwirtschaftlicher Gemischtbetrieb. Heute Gemüsebaubetrieb mit 50 ha Freilandgemüse und 1 ha Gewächshaus, wo er viel mit Silage arbeitet. Saatgut und Jungpflanzen werden zum Teil selbst erzeugt, eigene Zuchtlinien werden verfolgt.
„Die Erde ist fruchtbar.”
Johannes Storch
führt seit 2011 den Gemüsebau auf dem Bio-Gemüsehof Dickendorf. Von Anfang an war es sein Ziel, aus Respekt vor Mitmenschen und Natur, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und sogar zu steigern. Durch Beobachtung der Natur war bald klar, dass intensive Durchwurzelung in Kombination mit einer organischen Mulchdecke der Schlüssel ist. Die Anpassung dieser Prinzipien an den intensiven Gemüsebau bedeutete viel Entwicklungseinsatz im Bereich des Anbausystems und der Technik. Die enorme Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit in diesem System, sowie Vorteile bei Unkrautmanagement, Arbeitswirtschaft und der Pflanzenernährung, haben es im Betrieb zum Standardverfahren gemacht. Mittlerweile ist Technik und Anbausystem ausgereift, sodass der Betrieb Beratung und professionelle Pflanztechnik für das Mulchsystem anbietet.
„In der Natur ist Boden durchgängig durchwurzelt oder bedeckt, die Ausnahme sind Wüsten.“
Ursula Hudson
ist freie Autorin und Wissenschaftlerin, beschäftigt sich seit den 90er Jahren mit dem Thema Ernährung – auch kulturwissenschaftlich. Seit 2012 ist sie Vorsitzende von Slow Food Deutschland und Mitglied im Vorstand von Slow Food International. Aufgewachsen in Garmisch-Partenkirchen genoss sie schon damals den kleinen aber klug bestellten Gemüsegarten ihres Vaters sowie die einfache Küche ihrer Mutter, welche auf frische und geschmackvolle Produkte setzte. Seither ist Essen für sie weitaus mehr als simple Nahrungsaufnahme und sie setzt sich ein – für das Entdecken, das Schmecken, die Vielfalt sowie die Beziehung zwischen Mensch und Natur.
„Essen setzt uns in Beziehung zu uns selbst und unserer Umwelt.“
Benedikt Haerlin
leitet die europäische Initiative „Save our Seeds“ (SOS) für gentechnikfreies Saatgut und organisiert Konferenzen der gentechnikfreien Regionen Europas. Er war Vertreter der Nichtregierungs-Organisationen im Aufsichtsrat des Weltagrarberichts (IAASTD) der UN und der Weltbank. Seither engagiert er sich intensiv für dessen Forderung nach einer radikalen Wende in der globalen Landwirtschaft, u. a. beim Bündnis „Meine Landwirtschaft“, in der europäischen Allianz „ARC2020“ und mit dem Projekt 2000m2.
„Die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Impulse für eine Neue Bodenkultur kommen möglicherweise aus den Städten.”
Hildegard Kurt
ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin und praktisch auf dem Feld des Erweiterten Kunstbegriffs (Beuys) tätig. Sie hat 2018 zusammen mit dem Biologen und Philosophen Andreas Weber die vom Bundesamt für Naturschutz geförderte ERDFEST-Initiative gestartet. ERDFEST zielt darauf, in einer zunehmend technisierten und urbanisierten Welt unsere Beziehungen zur Erde – als Boden und als Planet – neu zu festigen.
„Erde sein!”
Maya Lukoff
Ihre gärtnerische Reise begann beim Studium der Anthropologischen Landwirtschaft, wofür sie drei Jahre in Bolivien lebte, um die lebendigen Weisheiten der einheimischen Aymara-Landwirtschaft kennen zu lernen. Um geschlossene Kreisläufe, Verlebendigung des Edaphons und kosmische Kräfte im westlichen Kontext zu verstehen, hat sie die Freie Ausbildung für biologisch-dynamischen Gemüsebau in Deutschland absolviert. Seit 2014 lebt sie in der Gemeinschaft Schloss Tempelhof, wo sie ihrer Leidenschaft für die Landwirtschaft im gemeinschaftlichen Kontext nachgehen kann. Hier beschäftigt sie sich intensiver mit Mischkulturen, Komposttees, Präparaten usw.
„Die lebendige Natur lehrt uns nach gesunden, regenerativen Systemen zu streben.”
Sebastian Heilmann
Durch eine längere Zeit in Indien und in der biologisch-dynamischen Bewegung dort, sowie dem Absolvieren der Freien Ausbildung im Norden, hat Sebastian in der Landwirtschaft die Inspiration gefunden, eine aufbauende Landwirtschaft mit zu entwickeln. Erfahrungen sammelte er bisher mit Mutterkühen, Legehennen, Milchziegen, kleingliedrigem Ackerbau, und immer stärker im Gemüsebau, mit Weiterbildungen zum Bodenmikrobiologie, Kompostieren, Komposttees und Mikroskopie. In der Gemeinschaft Schloss Tempelhof geht Sebastian seinem starken Anliegen nach, eine vielfältige und regenerative, kleinbäuerliche Landwirtschaft zu fördern und mit zu formen.
„Essen ist ein politischer Akt.”

(Wendell Berry)

Burkhard Kayser
Burkhard Kayser ist freiberuflicher Berater für nachhaltige Landnutzung, Agroforstsysteme und Permakultur-Designer. Er arbeitet seit 1988 praktisch und konzeptionell an Themen zur aufbauenden Landwirtschaft, die er in anschaulicher Form in Beratungen, Planungen und Fortbildungen vermittelt.
„Eine Landschaft ohne Bäume wird zur Wüste. Erst wenn wir diese wieder in der Landwirtschaft nutzen, wird unsere Landschaft wertvoll.”
Stefan Schwarzer
ist Physischer Geograf und Permakultur-Designer. Er arbeitet seit 17 Jahren für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Genf, wo er sich mit globalen Umweltthemen beschäftigt. Die Verbindung globaler Interessen und Ziele mit lokalen Handlungen, vor allem in Form von einer aufbauenden Landwirtschaft in Anlehnung an die Permakultur, ist eines seiner Hauptanliegen. Er ist Co-Autor des Buches “Die Humusrevolution” und Initiator des Symposiums “Aufbauende Landwirtschaft”. Er lebt seit Ende 2012 in der Lebensgemeinschaft Schloss Tempelhof.
„Nachhaltig ist nicht genug – dafür haben wir schon zu viele Ressourcen ausgebeutet und zerstört. Wir müssen ein Ressourcen-aufbauende Landwirtschaft betreiben – im Verständnis der Natur.”