Wenn wir über Dürre sprechen, denken viele zuerst an Stauseen, Brunnen, Bewässerung oder Wasserverbote. Alles wichtige Themen. Aber der größte und wichtigste Wasserspeicher unserer Kulturlandschaft liegt direkt unter unseren Füßen: der Boden.
Ein lebendiger, gut durchwurzelter und humusreicher Boden kann Regen aufnehmen wie ein Schwamm. Ein verdichteter, verarmter oder lange unbedeckter Boden kann das oft nicht mehr. Dann läuft Wasser oberflächlich ab, reißt Erde mit, füllt Gräben und Bäche – und fehlt später den Pflanzen.
Genau hier liegt eine enorme Chance für die Landwirtschaft. Nicht als Schuldzuweisung, sondern als Potenzial. Zwischenfrüchte, Untersaaten, vielfältige Fruchtfolgen, weniger intensive Bodenbearbeitung, Kompost, Mist, Mulch, Dauerbegrünung und mehr lebende Wurzeln im Boden sind keine kleinen Nebenthemen. Sie sind aktive Wasserpolitik auf dem Acker.
In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ beschreiben wir den Boden deshalb als Infrastruktur. Nicht aus Beton, sondern lebendig. Und diese Infrastruktur wurde über Jahrzehnte vielerorts geschwächt: durch Humusabbau, Verdichtung, Erosion, fehlende Bodenruhe und zu wenig Pflanzenvielfalt.
Die gute Nachricht: Boden kann sich erholen. Nicht von allein und nicht über Nacht. Aber mit konsequenter Bewirtschaftung, guter Beratung, passenden Förderungen und fairen Märkten kann Landwirtschaft wieder mehr Wasser in der Fläche halten. Das wäre nicht nur gut für den Boden. Es wäre gut für Erträge, Grundwasser, Klima, Biodiversität und die ganze Landschaft.
