Über Jahrzehnte haben wir viele Landschaften darauf optimiert, Wasser möglichst schnell loszuwerden. Drainagen im Acker, tiefe Gräben, begradigte Bäche, befestigte Wege, Kanalisation, versiegelte Flächen. Was früher als Fortschritt galt, wird in Zeiten von Dürre und Starkregen zunehmend zum Risiko.
Denn Wasser, das im Winter oder nach Starkregen schnell aus der Fläche abgeführt wird, fehlt später im Boden, im Grundwasser, in den Pflanzen und in der Verdunstungskühlung. Gleichzeitig steigt bei Starkregen die Gefahr von Erosion und Hochwasser, weil das Wasser kaum gebremst wird.
Natürlich kann man nicht einfach jede Drainage kappen oder jeden Graben zuschütten. Landwirtschaft braucht befahrbare Flächen, Siedlungen brauchen Sicherheit, manche Standorte müssen entwässert werden. Aber wir müssen die Grundfrage neu stellen: Wo muss Wasser wirklich weg – und wo sollte es bleiben?
In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ beschreiben wir viele Möglichkeiten: Abfluss bremsen, Gräben anders managen, Bäche wieder mäandrieren lassen, kleine Rückhalteräume schaffen, Wege entschärfen, Felder quer zum Gefälle strukturieren, Keyline-Prinzipien nutzen, Senken reaktivieren und Wasser in der Fläche verteilen.
Das ist keine romantische Rückkehr in eine Vergangenheit. Es ist moderne Klimaanpassung. Wir brauchen Landschaften, die nicht reflexartig entwässern, sondern klug unterscheiden: ableiten, wo es nötig ist – halten, wo es möglich ist.
