Junk Food im Darm – Affen fresen Erde

Was passiert, wenn Affen anfangen, regelmäßig Junk Food zu essen? In Gibraltar zeigt sich eine ebenso überraschende wie aufschlussreiche Antwort: Berberaffen greifen gezielt zu Erde.

Die Tiere nehmen dort häufig stark verarbeitete Lebensmittel von Touristen auf – reich an Zucker, Fett und Salz, aber arm an Ballaststoffen. Solche Nahrung kann das empfindliche Gleichgewicht des Darmmikrobioms stören. Genau hier setzt die Geophagie an: Die Aufnahme von Boden – insbesondere tonhaltiger Erde – könnte helfen, den Darm zu stabilisieren, Schadstoffe zu binden und das mikrobielle Gleichgewicht wiederherzustellen. Der Boden wird damit gewissermaßen zum Gegenpol: ein lebendiges, mineralisches System, das auf das gestörte Mikrobiom im Darm wirkt.

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich innerhalb der Population: Eine Gruppe von Affen, die keinen Zugang zu touristischer „Junk Food“-Ernährung hat, zeigt dieses Verhalten überhaupt nicht. Das deutet stark darauf hin, dass Geophagie keine zufällige Eigenart ist, sondern eine direkte Reaktion auf eine veränderte Ernährungsweise und deren Auswirkungen auf den Darm.

Gleichzeitig ist das Verhalten sozial eingebettet. Die Affen lernen voneinander, welche Böden sie fressen, und entwickeln gruppenspezifische Vorlieben. Damit verbindet sich die physiologische Ebene – Darm und Mikrobiom – mit einer kulturellen Dimension.

Die Studie macht damit etwas Grundsätzliches sichtbar: Zwischen Boden und Darm bestehen tiefe Verbindungen. Wird die Ernährung künstlich verändert, reagiert der Organismus – hier über das Verhalten – und sucht gewissermaßen wieder Anschluss an das, was ursprünglich stabilisiert hat: den Boden und seine Mikroorganismen.

Studie: https://www.nature.com/articles/s41598-026-44607-0

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