Neue Studie: Entwaldung trocknet den Amazonas schneller aus als bisher gedacht

Der Amazonas ist nicht nur ein Wald – er ist eine riesige Wasserpumpe. Milliarden von Bäumen ziehen Wasser aus dem Boden und geben es über ihre Blätter an die Atmosphäre ab. Dieses Wasser bildet Wolken und fällt später wieder als Regen auf die Landschaft zurück.

Eine neue Studie von Liu et al. (2025) zeigt nun eindrucksvoll, wie empfindlich dieses System reagiert. Die Forschenden untersuchten die Waldverluste in den brasilianischen Bundesstaaten Rondônia und Mato Grosso zwischen 2002 und 2015. Das Ergebnis: Ein Rückgang der Waldfläche um lediglich 3,2 % führte zu einer Verringerung der Verdunstung um 3,5 % und zu einem Rückgang der Niederschläge in der Trockenzeit um 5,4 %.

Besonders spannend ist die Frage, warum der Regen so stark zurückgeht. Oft wird angenommen, dass weniger Wald einfach weniger Verdunstung bedeutet und deshalb weniger Regen fällt. Die Studie zeigt jedoch, dass dies nur einen Teil der Erklärung liefert.
Lediglich etwa ein Viertel des Niederschlagsrückgangs war direkt auf die geringere lokale Verdunstung zurückzuführen. Rund drei Viertel entstanden dadurch, dass die Entwaldung die atmosphärische Zirkulation veränderte. Durch die trockenere und wärmere Luft wurden weniger Wolken gebildet, wodurch auch weniger Feuchtigkeit aus anderen Regionen in das Gebiet transportiert wurde.

Die Bedeutung dieser Ergebnisse reicht weit über den Amazonas hinaus. Sie verdeutlichen, dass Vegetation nicht nur auf den vorhandenen Niederschlag reagiert, sondern selbst aktiv an dessen Entstehung beteiligt ist. Wälder beeinflussen damit nicht nur Kohlenstoffspeicherung und Biodiversität, sondern auch den regionalen Wasserhaushalt und das Klima.

Für die Diskussion um klimaaktive Landschaften ist das eine wichtige Erkenntnis: Landnutzung entscheidet nicht nur darüber, wie Wasser genutzt wird, sondern auch darüber, wie viel Wasser überhaupt in einer Region zur Verfügung steht. Wälder sind daher nicht nur Opfer von Dürren – sie sind ein wesentlicher Teil der Lösung.

Studie: https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1029/2025AV001670

Schreibe einen Kommentar