Starkregen ist kein Geschenk, wenn die Landschaft ihn nicht halten kann (6/12)

Nach Wochen der Trockenheit klingt Regen erst einmal wie Erlösung. Aber wenn er als Starkregen fällt, ist das Wasser oft schneller wieder weg, als es der Landschaft wirklich hilft.

Verdichtete, ausgetrocknete oder verschlämmte Böden nehmen Wasser schlecht auf. Begradigte Bäche, Gräben, Drainagen, versiegelte Flächen und steile Wege beschleunigen den Abfluss zusätzlich. Dann wird aus dringend benötigtem Regen Erosion, Schlamm, Hochwasser – und danach kommt erneut Trockenheit.

Genau deshalb gehören Dürre und Flut zusammen. Es sind nicht zwei getrennte Probleme, sondern oft zwei Folgen derselben Landschaftslogik: Wasser soll schnell weg. Das war lange ein Ziel von Planung, Landwirtschaft, Siedlungsbau und Gewässerausbau. Heute merken wir, wie verletzlich uns das macht.

In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ beschreiben wir deshalb viele Ansätze, um Wasser zu bremsen: humusreiche Böden, dauerhafte Bodenbedeckung, Querstrukturen, Hecken, Agroforst, Mulden, Retentionsflächen, Feuchtgebiete, Auen, kleine Rückhaltestrukturen und eine Bewirtschaftung quer zum Gefälle.

Das Prinzip ist einfach, die Umsetzung anspruchsvoll: Regen muss wieder Zeit bekommen. Zeit zum Versickern. Zeit, den Boden zu füllen. Zeit, Grundwasser zu speisen. Zeit, später über Pflanzen wieder zu kühlen.

Wir werden Starkregen nicht verhindern. Aber wir können entscheiden, ob Landschaften ihn nur ableiten – oder aufnehmen.

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