Vom 08. bis 10. Mai 2026 fand auf Schloss Tempelhof erstmals das Symposium Aufbauende Waldwirtschaft statt. Waldbesitzende, Forstpraktikerinnen und Forstpraktiker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende kamen zusammen, um eine zentrale Frage zu diskutieren:
Wie können durch mehr biologische Vielfalt, lebendige Waldböden sowie eine verbesserte Wasserspeicher- und Wasserverfügbarkeit langfristig stabile, klimaangepasste und zugleich produktive Wälder entstehen?
Die Vorträge und Diskussionen machten deutlich, dass die Herausforderungen des Klimawandels nicht allein durch technische Maßnahmen gelöst werden können. Vielmehr braucht es ein tieferes Verständnis der natürlichen Prozesse, die Waldökosysteme seit Jahrtausenden prägen.
Den Auftakt machte Wilhelm Bode mit einem eindrucksvollen Plädoyer für den Dauerwaldgedanken nach Alfred Möller. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele zeigte er auf, wie strukturreiche Mischwälder ihre Stabilität und Produktivität gerade aus ihrer Vielfalt entlang der räumlichen und zeitlichen Dimension beziehen. Gleichzeitig wurde deutlich, welche zentrale Rolle Bäume und Waldböden für den Aufbau von Fruchtbarkeit und geschlossenen Nährstoffkreisläufen spielen.
Im weiteren Verlauf des Symposiums spannte sich der Bogen von der Praxis bis zur Wissenschaft. Holger Weinauge berichtete von seinem Weg zur Wiederherstellung funktionaler Waldökosysteme und den Erkenntnissen aus dem österreichischen Wildnisgebiet Rothwald. Prof. Dr. Thomas Knoke beleuchtete die wirtschaftlichen Vorteile naturnaher und ungleichaltriger Waldbestände, während Prof. Dr. Claudia Künzer die Möglichkeiten moderner satellitengestützter Waldbeobachtung vorstellte. Raimund Hofmann zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial in artenreichen Mischbeständen liegt, die ökologische Stabilität mit wirtschaftlicher Sicherheit verbinden können.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Waldboden als Fundament jedes gesunden Waldökosystems. Ludwig Pertl und Franz Rösl von der IG gesunder Boden verdeutlichten, dass fruchtbare Böden mit hoher biologischer Aktivität die Grundlage für langfristige Produktivität, Wasseraufnahme und Resilienz bilden. Der Zustand des Bodens wurde dabei nicht als Folge, sondern als Maßstab erfolgreicher Waldentwicklung verstanden. Zum Abschluss gewährte Christoph Arndt Einblicke in die Dauerwaldwirtschaft des Fürstlich Castell’schen Forstes und zeigte, wie naturnahe Waldentwicklung auch im großflächigen Privatwald erfolgreich umgesetzt werden kann.
Neben den Fachvorträgen war vor allem der persönliche Austausch ein prägender Bestandteil der Veranstaltung. In Gesprächen, Workshops und Diskussionsrunden begegneten sich Praktiker, Wissenschaftler und Lernende auf Augenhöhe. Es entstanden neue Kontakte, gemeinsame Fragestellungen und erste Ideen für zukünftige Kooperationen.
Das Symposium hat gezeigt, dass das Interesse an einer Waldwirtschaft groß ist, die nicht gegen, sondern mit den natürlichen Prozessen arbeitet. Die vorgestellten Beispiele machten Mut: Vielfältige, strukturreiche und bodenaufbauende Wälder können nicht nur widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels sein, sondern zugleich die Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Holzproduktion schaffen.
Für uns als Verein Aufbauende Landwirtschaft war das Symposium zugleich ein erster Schritt, die Grundgedanken einer aufbauenden Bewirtschaftung auf den Wald zu übertragen. Denn ähnlich wie in der Landwirtschaft stellt sich auch hier die Frage: Wie können wir natürliche Prozesse so fördern, dass Ökologie und Produktivität gemeinsam wachsen?
Wir danken allen Referentinnen und Referenten, Teilnehmenden sowie Unterstützern für ihre Beiträge zu dieser gelungenen Premiere und freuen uns darauf, den begonnenen Dialog über die Zukunft unserer Wälder weiterzuführen.
https://aufbauende-landwirtschaft.de/symposium-aufbauende-waldwirtschaft-2026/

