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Wenn Landschaften austrocknen – wie wir den kleinen Wasserkreislauf schwächen

Wenn Landschaften austrocknen – wie wir den kleinen Wasserkreislauf schwächen

Die Erdgeschichte zeigt, wie Pflanzen den kontinentalen Wasserkreislauf aufgebaut haben (siehe vorangegangen Post). Heute erleben wir vielerorts den umgekehrten Prozess: Wälder werden gerodet, Hecken verschwinden, Moore werden entwässert, Flüsse begradigt und Böden durch intensive Nutzung verdichtet und degradiert. Damit verliert die Landschaft nach und nach ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern und wieder an die Atmosphäre abzugeben.

Regen fließt immer häufiger oberflächlich ab, statt im Boden zu versickern. Auen und Moore, die früher wie natürliche Schwämme wirkten, wurden trockengelegt. Begradigte Flüsse transportieren Wasser möglichst schnell aus der Landschaft, Drainagen entwässern Felder, und versiegelte Flächen verhindern nahezu jede Versickerung. Gleichzeitig verlieren degradierte Böden ihre lockere Struktur und damit ihre Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und über längere Zeit zu speichern.

Die Folgen reichen weit über den Boden hinaus. Fehlt Wasser in der Landschaft, verdunsten Pflanzen deutlich weniger. Statt einen großen Teil der Sonnenenergie für die Verdunstung – und damit für Kühlung – zu nutzen, heizen sich trockene Böden und kahle Äcker stark auf. Es entstehen große Flächen heißer Luft, die sich deutlich anders verhalten als die kühle, feuchte Luft über Wäldern, Feuchtgebieten oder artenreichen Wiesen.

Dadurch wird nicht nur die Landschaft wärmer. Auch der kleine Wasserkreislauf gerät ins Stocken. Es gelangt weniger Wasserdampf in die Atmosphäre, Wolken bilden sich seltener, und feuchte Luftmassen verlieren auf ihrem Weg ins Landesinnere zunehmend ihre Wasserreserven. Zahlreiche Studien zeigen inzwischen, dass großräumige Landdegradation regional zu geringeren Niederschlägen und längeren Trockenzeiten beitragen kann – besonders dort, wo bereits große Flächen von Entwaldung oder intensiver Landnutzung betroffen sind.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Wälder und andere naturnahe Vegetation geben biogene Stoffe an die Atmosphäre ab, aus denen sich Aerosole bilden können. Diese dienen als Kondensationskeime für Wolken. Mit dem Verlust der Vegetation geht deshalb nicht nur Wasserdampf verloren, sondern auch ein wichtiger Baustein für die Wolken- und Niederschlagsbildung.

Der Teufelskreis ist offensichtlich: Weniger Vegetation führt zu weniger Verdunstung, mehr Aufheizung, trockeneren Böden und häufig noch weniger Niederschlag. Aus einem ehemals kühlenden, wasserreichen Landschaftssystem wird Schritt für Schritt eine heiße und trockene Landschaft.

Die gute Nachricht ist: Dieser Prozess lässt sich umkehren. Mehr Bäume, Hecken und vielfältige Vegetation, gesunde Böden, wiedervernässte Moore, naturnahe Flüsse und Auen sowie eine regenerative Landwirtschaft stärken den Wasserrückhalt und den kleinen Wasserkreislauf. So kann die Landschaft wieder mehr Wasser speichern, sich selbst kühlen und einen Teil des Regens mit erzeugen. Klimaschutz beginnt deshalb nicht erst in der Atmosphäre – sondern auf unseren Böden und in unseren Landschaften.

Siehe dazu unser Buch „Aufbäumen gegen die Dürre“.

Ersten Teil hier lesen: https://aufbauende-landwirtschaft.de/wenn-pflanzen-regen-machen-was-die-erdgeschichte-ueber-unseren-heutigen-wasserkreislauf-erzaehlt

Posted by Stefan in Allgemein, 0 comments