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Zwischenbericht: Agrarböden verlieren Kohlenstoff

Zwischenbericht: Agrarböden verlieren Kohlenstoff

Der Zwischenbericht der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft (BZE-LW) zeigt eine klare Tendenz: Landwirtschaftliche Böden verlieren organischen Kohlenstoff. Über alle Nutzungsformen hinweg geben sie mehr Kohlenstoffdioxid an die Atmosphäre ab, als sie aufnehmen.

Die vorläufigen Ergebnisse zeigen eine Abnahme an organischem Bodenkohlenstoff in allen landwirtschaftlichen Nutzungsformen, bezogen auf die oberen 30 Zentimetern und das vergangene Jahrzehnt:

  • -1,7% Acker
  • -6% Grünland
  • -8% Dauerkulturen

Das Zwischenergebnis basiert auf Erhebungen in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen.

https://www.thuenen.de/de/newsroom/detail/kohlenstoffvorraete-in-deutschen-agrarboeden-erste-ergebnisse-der-wiederholungsinventur

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Bessere Ökosystemdienstleistungen und Ertrag durch mehr Biodiversität – Erfahrungen aus dem Jena-Experiment

Bessere Ökosystemdienstleistungen und Ertrag durch mehr Biodiversität – Erfahrungen aus dem Jena-Experiment

Das Jena-Experiment läuft ja nun schon seit langer Zeit. Ein paar der spannenden Erkenntnisse zusammen gefasst:

  • Artenreichere Wiesen hatten über die gesamte Zeit des „Jena Experiments“ eine höhere Produktivität als artenarme Wiesen.
  • Die Energie der Biomasse (Bioenergiegehalt) von artenreichen Wiesen war deutlich höher als der von artenarmen Wiesen, zugleich aber ähnlich hoch wie viele der heute stark subventionierten Arten wie etwa von Chinaschilf.
  • Artenreiche Flächen hatten eine bessere Kohlenstoffspeicherung.
  • Die Anzahl von Insekten und anderen Arten war deutlich höher.
  • Wechselwirkungen zwischen Arten wie etwa Bestäubungen fanden häufiger statt.
  • Artenreichere Wiesen transportierten Oberflächenwasser besser in den Boden.
  • Artenreiche Ökosysteme waren stabiler gegenüber Störungen wie Dürren oder Überschwemmungen als artenarme Ökosysteme.

In etwas längerer Version:

  • Etwa 45 % der im „Hauptversuch“ gemessenen Ökosystemprozesse, bei dem die Pflanzenartenvielfalt von 1 bis 60 Arten reichte, wurden signifikant von der Pflanzenartenvielfalt beeinflusst. Viele Messwerte erreichten selbst bei 60 Pflanzenarten keine Sättigung, sondern nahmen linear mit dem Logarithmus der Artenvielfalt zu.
  • Es gab jedoch eine große Variabilität in der Reaktionsstärke zwischen verschiedenen Prozessen. Ein auffälliges Muster zeigte sich darin, dass viele Prozesse, insbesondere unterirdische, erst nach mehreren Jahren auf die Manipulation der Pflanzenartenvielfalt reagierten.
  • Die Diversität der meisten Organismen nahm mit steigender Pflanzenartenvielfalt zu. Dieser Effekt war bei oberirdischen Organismen stärker als bei unterirdischen und bei Herbivoren ausgeprägter als bei Karnivoren oder Detritivoren. Somit führt Diversität zu weiterer Diversität. Zudem war der Effekt auf die organismische Vielfalt stärker als auf die Artenhäufigkeit.
  • Messwerte zur Speicherung von Nährstoffen hatten oft einen positiven Zusammenhang mit der Pflanzendiversität. Beispielsweise nahm die Kohlenstoffspeicherung mit zunehmender Pflanzenartenvielfalt stark zu. Variablen des Stickstoffkreislaufs reagierten weniger stark auf die Pflanzenartenvielfalt als solche des Kohlenstoffkreislaufs.
  • Die Erhöhung der Pflanzenartenvielfalt von 1 auf 16 Arten hatte in absoluten Zahlen einen ebenso starken Effekt auf die Pflanzenbiomasse wie eine intensivere Grünlandbewirtschaftung durch Düngung und erhöhte Mahdhäufigkeit. Das potenzielle Bioenergiepotenzial aus artenreichen Flächen war mit dem konventionell genutzter Energiepflanzen vergleichbar. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass artenreiche „High Nature Value Grasslands“ multifunktional sind und eine Vielzahl von Ökosystemleistungen, einschließlich produktionsbezogener Leistungen, erbringen können.

Das Jena Experiment beweist aufgrund seiner Breite erstmals, dass ein Verlust der Artenvielfalt negative Konsequenzen für viele einzelne Komponenten und Prozesse in Ökosystemen hat. Das weltweite Artensterben bedeutet also nicht nur, dass ein Teil des evolutionären Erbes der Erde unwiederbringlich verloren geht und der Mensch seiner Fürsorgepflicht gegenüber anderen Geschöpfen nicht gerecht wird, sondern es hat direkte unangenehme Folgen für den Menschen. Das Artensterben wirkt sich unter anderem auch auf die Stoffkreisläufe aus – und diese nehmen direkten Einfluss auf den Wasserhaushalt, der Quell allen Lebens.

 

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Umbruch von Grasbeständen im Ackerbau nach 5 Jahren möglich

Umbruch von Grasbeständen im Ackerbau nach 5 Jahren möglich

Wichtige Information: In der landwirtschaftlichen Praxis wurden in den letzten Jahren (Klee-)Grasbestände auch im Ackerbau spätestens nach 5 Jahren umgebrochen, damit sie nicht als Dauergrünland zählen – auch wenn die Nutzungsdauer länger noch möglich war. Diese Praxis können wir uns nun sparen, da die betreffende Gesetze geändert wurden. Ein Umbruch von Grasbeständen (ab 2021) im Ackerbau auch länger als nach 5 Jahren ist mit einer Anzeige im Sammelantrag in der Regel problemlos möglich (außer ggf. in Schutzgebieten). Aus Sicht des Förderrechts wird das in *§6 GAPKondG*  in Verbindung mit *§9 GAPKondV* geregelt.

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Rinder sind Leittiere der Biodiversität

Rinder sind Leittiere der Biodiversität

Interessanter Artikel über einen Vortrag von Ulrich Mück vom Demeter-Erzeugerring Bayern zur „richtigen“ Nutztierhaltung

  • Über 60 % der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen der Erde sind „Grünland“.
  • In Deutschland gebe es 4,7 Mio. ha Dauergrünland. Der Grünlandanteil nehme somit 28 Prozent der Fläche ein. Grünland speichert zwei bis fünf Mal so viel CO2 wie Ackerland. Grünland habe zudem eine große Bedeutung für die Biodiversität und biete wesentlich mehr Lebensraum für Insekten als etwa Ackerland. Selbst die Fladen der Rinder seien Nahrung für Vielfalt und bietet Lebensraum für rund 300 Insekten.
  • Zwischen 1960 und 2016 wurden in Deutschland 2 Mio. ha, das sind 30 % der Grünlandflächen umgebrochen und zu Acker gemacht. Seit 2009 zunehmend auch für Silomais.
  • Mück entwirft ein Szenario: Hätten wir 100 % Ökolandbau (im Moment etwa 10 % bundesweit) wäre Europa unabhängig vom Futtermittelimport, es gäbe keine Pestitzide und keinen synthetischen Dünger mehr. Gesunde Ernährungsformen würden sich verbreiten (weniger tierische Nahrungsmittel, mehr Früchte, mehr Gemüse) Grünlandflächen würden ausgedehnt und extensiviert. Ebenso die Weidehaltung. Es gäbe mehr Biodiversitätsflächen. Bei einem Produktionsrückgang um 35 % im Jahr 2050 würden die Treibhausgase aus der Landwirtschaft um 45 % reduziert, mehr Biodiversität erreicht und natürliche Ressourcen geschützt.
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