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Dichte, dunkle Wälder in Europa sind ein modernes Phänomen

Dichte, dunkle Wälder in Europa sind ein modernes Phänomen

Eine neue, umfassende Studie zeigt, dass die Landschaft Europas über die letzten 20 Millionen Jahre hinweg kein dichter Urwald, sondern ein offenes Mosaik aus Grasland, Gebüsch und lichten Wäldern mit vielen Wildblumen war. Diese Erkenntnis widerspricht der gängigen Vorstellung, dass Europa ursprünglich von geschlossenen, dunklen Wäldern dominiert wurde – ein Bild, das eher modernen Forstplantagen entspricht.
Wichtige Punkte:

  • Historische Realität: Vor der Industrialisierung prägten große Pflanzenfresser wie Elefanten, Nashörner, Auerochsen und Wisente die Landschaft, indem sie durch Beweidung halboffene, artenreiche Lebensräume schufen.
  • Moderne Fehlentwicklung: Die heutigen dichten Wälder sind ein relativ neues Phänomen, das durch das Verschwinden natürlicher Beweidung und menschliche Aufforstung entstanden ist.
  • Kritik an Aufforstungsstrategien: Aktuelle Aufforstungsprojekte (z. B. in Dänemark) fördern dichte Wälder, die weder der historischen Ökologie Europas entsprechen noch der Biodiversität nutzen.
  • Folgen für den Artenschutz: Viele heute als „Kulturfolger“ geltende Arten (z. B. Lerche, Dohle, Feldhamster) haben ihre Wurzeln in diesen offenen Landschaften. Auch Wildblumen wie Mohn gediehen in gestörten Bereichen der alten Wälder.
  • Empfehlung: Statt dichter Wälder sollten Mosaiklandschaften aus Lichtungen, Wäldern und Grasland gefördert werden – idealerweise durch die Rückkehr großer Pflanzenfresser.

Fazit: Die Studie widerlegt das „Dunkle-Urwald-Paradigma“ und zeigt, dass Europas Ökosysteme historisch offener, dynamischer und artenreicher waren als bisher angenommen. Dies hat direkte Konsequenzen für Naturschutz und Renaturierung.

Künstlerische paläoökologische Rekonstruktionen von Ökosystemen in Mitteleuropa über die letzten 23 Millionen Jahre. Die Illustrationen zeigen typische Landschaften und wichtige große Pflanzenfresser aus sechs Zeitabschnitten: Neogen (Entstehungszeit vieler heutiger Arten), Pleistozän (Grundzustand vor dem Einfluss von Homo sapiens), Holozän (vom Menschen geprägte Ökosysteme). In den meisten Epochen werden die Landschaften als baum- und blumenreiche Mosaike dargestellt, die durch zahlreiche große Pflanzenfresser offen gehalten wurden. Erst im späten Holozän entstanden entweder dichte Wälder (durch das Verschwinden der Pflanzenfresser) oder stark vom Menschen überprägte Systeme mit Nutztieren und Landwirtschaft. Quelle

https://www.eurekalert.org/news-releases/1118276
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006320726000571

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