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Die Welt steht vor der Düngerkrise. Warum regenerative Landwirtschaft Ernährungssicherheit stärkt

Die Welt steht vor der Düngerkrise. Warum regenerative Landwirtschaft Ernährungssicherheit stärkt

Dünger, Energie und geopolitische Abhängigkeit – was der Konflikt um die Straße von Hormus sichtbar macht

Der aktuelle Konflikt rund um den Iran und die Blockade der Straße von Hormus macht ein strukturelles Problem der globalen Landwirtschaft sichtbar: die enorme Abhängigkeit der Lebensmittelproduktion von synthetischem Stickstoffdünger und damit von günstiger Energie.

Die unsichtbare Energie hinter unseren Lebensmitteln

Ein Großteil der heutigen landwirtschaftlichen Produktivität basiert auf mineralischem Stickstoffdünger, der über das Haber-Bosch-Verfahren hergestellt wird. Dieses Verfahren benötigt große Mengen Erdgas. Viele der weltweit wichtigsten Exportregionen für Stickstoffdünger liegen deshalb in Erdgas-reichen Regionen, darunter Russland, Nordafrika und insbesondere die Golfregion. Länder rund um den Persischen Golf – darunter auch der Iran – gehören zu den bedeutenden Exporteuren von Ammoniak und Harnstoff.

Die Straße von Hormus ist dabei ein zentraler Engpass des Welthandels. Ein erheblicher Teil der globalen Energie- und Düngemitteltransporte passiert diese nur etwa 50 km breite Meerenge. Jede militärische Eskalation oder Blockade erhöht deshalb nicht nur die Energiepreise, sondern beeinflusst auch unmittelbar die Kosten landwirtschaftlicher Produktion weltweit.

Eine gefährliche strukturelle Abhängigkeit

Steigende Gaspreise führen fast automatisch zu steigenden Düngerpreisen. Die Folgen sind bekannt:

  • höhere Produktionskosten für Landwirte
  • steigende Lebensmittelpreise
  • größere Abhängigkeit von globalen Lieferketten
  • zunehmende geopolitische Verwundbarkeit der Ernährungssysteme

Die Landwirtschaft ist damit in einer paradoxen Situation: Sie soll Ernährungssicherheit garantieren, ist aber gleichzeitig stark von globalen Energie- und Rohstoffströmen abhängig.

Der systemische Ausweg: Nährstoffkreisläufe statt Düngerabhängigkeit

Langfristige Ernährungssicherheit entsteht nicht durch immer billigere industrielle Inputs, sondern durch robuste biologische Systeme. Genau hier setzt eine regenerative und Ressourcen aufbauende Landwirtschaft an.

Statt Stickstoff industriell aus Erdgas zu synthetisieren, wird Stickstoff wieder stärker biologisch in das System integriert – über:

  • Leguminosen und Zwischenfrüchte
  • Mist, Gülle und Kompost
  • Integration von Tierhaltung in Ackerbausysteme
  • Humusaufbau und aktives Bodenleben
  • regionale Nährstoffkreisläufe

Gesunde Böden mit hoher biologischer Aktivität können Stickstoff besser speichern, mobilisieren und effizient nutzen. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von externen Düngemitteln erheblich.

Regenerative Zertifizierung als strategische Antwort

Mit Regenerate Forum sind wir dabei, eine Prozessbegleitung/Zertifizierung für eine regenerative Landwirtschaft zu entwickeln. Diese kann genau hier einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie unterstützt Landwirte dabei,

  • die Abhängigkeit von synthetischem Stickstoff systematisch zu reduzieren
  • Bodenfruchtbarkeit und Nährstoffkreisläufe aufzubauen
  • landwirtschaftliche Systeme resilienter gegenüber Preisschocks zu machen
  • ökologische Leistungen sichtbar und wirtschaftlich honorierbar zu machen

Damit geht es nicht nur um Umweltschutz. Es geht auch um strategische Souveränität der Landwirtschaft. Ein landwirtschaftliches System, das seine Fruchtbarkeit zunehmend aus biologischen Prozessen bezieht, wird unabhängiger von geopolitischen Krisen, Energiepreisschocks und globalen Lieferketten — und gleichzeitig gesünder und das Leben fördernd.

Freiheit durch fruchtbare Böden

Der Konflikt um die Straße von Hormus zeigt letztlich eine einfache Wahrheit: Ein Ernährungssystem, das auf fossiler Energie basiert, bleibt geopolitisch verwundbar. Eine Landwirtschaft, die ihre Fruchtbarkeit aus lebendigen Böden, Pflanzenvielfalt und funktionierenden Nährstoffkreisläufen schöpft, gewinnt dagegen etwas sehr Wertvolles zurück: Freiheit, Stabilität und Naturverbundenheit.

Regenerative Landwirtschaft ist damit nicht nur ein ökologischer Ansatz – sie ist auch eine strategische Antwort auf die Krisen einer energieabhängigen Welt.

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Artenreiche Grünländer liefern höhere Erträge als intensiv gedüngte Gras-Monokulturen, und das bei geringerem Stickstoffeinsatz

Artenreiche Grünländer liefern höhere Erträge als intensiv gedüngte Gras-Monokulturen, und das bei geringerem Stickstoffeinsatz

Können artenreiche Grünland-Mischungen mit hochgedüngten Monokulturen konkurrieren? Eine neue Studie in Science gibt eine klare Antwort: Ja – sie übertreffen sie sogar.

Über 26 Standorte auf vier Kontinenten zeigen sie: Funktional diverse Mischungen aus Gräsern, Leguminosen und Kräutern erzielen höhere Erträge als intensiv gedüngte Gras-Monokulturen – bei deutlich reduziertem Stickstoffdüngerbedarf.

Besonders bemerkenswert: Die positiven Diversitätseffekte verstärken sich unter wärmeren Bedingungen. Nur durch den breiten Klimagradienten des Netzwerks (3°C bis 13°C) konnte  dieses Muster erkannt werden.

Diese Ergebnisse bestätigen Prinzipien aus der Biodiversitätsforschung in extensiven Grasländern (wie dem Jena-Experiment) nun auch für intensives Produktionsgrünland. Ein wichtiger Schritt von der Grundlagenforschung zur landwirtschaftlichen Anwendung.

https://www.science.org/doi/10.1126/science.ady0764

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Dünger sorgen für mehr Treibhausgase als Luft- und Schifffahrt zusammen

Dünger sorgen für mehr Treibhausgase als Luft- und Schifffahrt zusammen

Synthetisch hergestellter Dünger ist ja schon länger im Gespräch bzgl des hohen Energieverbrauches. Nun gibt erstmals eine von einem Team der Universität Cambridge durchgeführte Studie Aufschluss über die mit Stickstoffdünger in Verbindung stehenden globalen Treibhausgasemissionen. Das Ergebnis: Der Einsatz von Stickstoffdünger sorgt jährlich für Emissionen in der Größenordnung von 2,6 Milliarden Tonnen CO2, also mehr als Flugverkehr und Schifffahrt zusammen. Dabei zeigt sich, dass die Produktion für etwa ein Drittel davon verantwortlich ist. Die anderen zwei Drittel fallen auf die Ausbringung – was in der Größenordnung überraschend ist. Dies zeigt einmal mehr welche Bedeutung eine Landwirtschaft hat, welche auf chemische Zusätze verzichtet.

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