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Warum der Wandel zur regenerativen Landwirtschaft so schwer ist

Warum der Wandel zur regenerativen Landwirtschaft so schwer ist

Eigentlich wissen wir längst, was zu tun wäre. Gesunde Böden aufbauen, Wasser besser in der Landschaft halten, Biodiversität fördern und Betriebsmittel effizienter einsetzen – für all das gibt es heute zahlreiche erfolgreiche Praxisbeispiele. Trotzdem verändert sich die Landwirtschaft insgesamt nur langsam.

Warum?

Weil Landwirtschaft kein isoliertes System ist. Der einzelne Betrieb steht in einem Geflecht aus Ausbildung, Beratung, Forschung, Politik, Handel, Lebensmittelindustrie, Banken, Versicherungen, Medien und Konsumenten. Jeder dieser Akteure beeinflusst die Entscheidungen auf dem Hof. Solange sich nur der Landwirt verändert, das übrige System aber gleich bleibt, stößt jede Veränderung schnell an ihre Grenzen.

Nachhaltige Transformation entsteht nicht allein durch neue Maßnahmen oder bessere Technologien. Sie entsteht erst dann, wenn ein System beginnt, sich selbst zu verstehen. Wenn alle Beteiligten erkennen, wie eng ihre Entscheidungen miteinander verbunden sind, kann aus einzelnen Initiativen ein gemeinsamer Wandel werden. (siehe Beitrag zu Otto Scharmer)

Regenerative Landwirtschaft darf nicht auf Maßnahmen auf dem Betrieb reduziert werden. Sie ist ein Entwicklungsprozess der gesamten Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über Verarbeitung und Handel bis hin zu Politik, Finanzierung und Gesellschaft. Zertifizierung sollte deshalb nicht nur kontrollieren, sondern Lernen, Zusammenarbeit und kontinuierliche Weiterentwicklung fördern.

Genau hier setzten wir mit Regenerate Forum am Bodensee an. Unser Ziel ist nicht nur, einzelne Betriebe bei der Umstellung zu begleiten. Wir möchten den gesamten regionalen Transformationsprozess unterstützen. Deshalb bringen wir Landwirte, Unternehmen, Kommunen, Wasserversorger, Wissenschaft, Beratung und Zivilgesellschaft an einen Tisch. Mit Weiterbildungen, regionalen Runden Tischen, einer entwicklungsorientierten Zertifizierung und dem Aufbau neuer Wertschöpfungsketten schaffen wir die Rahmenbedingungen, damit regenerative Landwirtschaft wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich erfolgreich werden kann.

Der Wandel zur regenerativen Landwirtschaft ist deshalb keine Aufgabe einzelner Pioniere. Er ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Erst wenn alle Stellschrauben gemeinsam bewegt werden, entsteht das, was wir wirklich brauchen: ein regeneratives Agrar- und Ernährungssystem, das gesunde Böden, sauberes Wasser, wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe und lebenswerte Landschaften miteinander verbindet.

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Warum gute Lösungen allein nicht ausreichen

Warum gute Lösungen allein nicht ausreichen

Wie geschieht Transformation? Basierend auf Otto Scharmer’s zur Essenz der Transformation und meinem Engagement für eine Transformation der Landwirtschaft, verstehe ich das so:

Regeneration beginnt nicht mit neuen Maßnahmen, sondern mit einem neuen gemeinsamen Verständnis des Systems. Wir schaffen (mit Regenerate Forum) den Raum, in dem die Akteure der Region lernen, das System gemeinsam zu sehen, zu verstehen und daraus die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Die vier Prinzipien für Transformation nach Otto Scharmer lassen sich in etwa so zusammenfassen – und sind super wichtig für das Verständnis wie Wandel geschehen kann:

  1. Ein System versteht man erst, wenn man versucht, es zu verändern: Scharmer greift Kurt Lewins Satz auf: Man versteht ein System nicht wirklich, solange man es nur von außen beobachtet. Wirkliches Systemwissen entsteht erst im Handeln, im Eingreifen, im Experimentieren. Transformation ist deshalb kein rein analytischer Prozess, sondern ein lernender Veränderungsprozess.
  2. Ein System verändert sich nicht dauerhaft, wenn sich nur Strukturen ändern: Neue Regeln, neue Prozesse oder neue Organisationsformen reichen nicht aus, wenn die Menschen im System mit demselben alten Denken, denselben Routinen und denselben Beziehungsmustern weitermachen. Dann entstehen in neuen Strukturen wieder die alten Probleme. Echte Veränderung braucht also eine Veränderung der Denkweisen, Haltungen und inneren Muster der Beteiligten.
  3. Bewusstsein verändert sich, wenn ein System sich selbst sehen und spüren lernt: Menschen verändern ihr Verhalten nicht allein dadurch, dass sie wissen, was falsch läuft. Sie müssen das System als Ganzes sehen und auch fühlen, wie es sich aus unterschiedlichen Perspektiven anfühlt, besonders aus der Perspektive der Betroffenen und Marginalisierten. Scharmer nennt das eine Art „Spiegel“: Das System muss sich selbst erkennen, nicht nur abstrakt, sondern existenziell.
  4. Transformation entsteht durch das Wahrnehmen einer möglichen Zukunft: Für Scharmer reicht es nicht, nur aus der Vergangenheit zu lernen oder Probleme zu reparieren. Entscheidend ist die Fähigkeit, eine entstehende Zukunft zu erspüren: Was will möglich werden? Welche nächste Entwicklungsstufe liegt im Feld? Diese Fähigkeit nennt er „Sensing“ oder in der Theorie U auch das Sich-Öffnen für die Zukunft, die entstehen möchte.

Kurz zusammengefasst – Transformation bedeutet bei Scharmer:

Nicht nur Symptome bekämpfen, sondern die tieferen Strukturen, Denkweisen und inneren Haltungen sichtbar machen. Ein System muss sich selbst sehen, sich selbst spüren und sich für eine neue Möglichkeit der Zukunft öffnen. Erst dann kann aus Wissen auch kollektives Handeln entstehen.

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Warum Veränderung so schwer ist

Warum Veränderung so schwer ist

Veränderungen sind ja nicht nur einfach auf dem Ratio basierend, so einfach umzusetzen, das kennt ja jeder von uns. Da spielen kulturelle, gesellschaftliche, persönliche Prägungen eine Rolle, Erinnerungen aus der Kindheit, und wie man es halt schon immer gemacht hat usw. Also, etwas, was auf anderen „Frequenzen“ unterwegs ist, als unsere gut gemeinten und gut begründbaren Argumente für die nötige und sinnvolle Veränderung.

Hier eine interessante Beschreibung von jemandem im Kontext der Streuobstwiesen – und warum Veränderungen (neue Erkenntnisse was Pflege und v.a. Schnitt angeht) dort so schwierig sind. In meinen Augen auch durchaus übertragbar auf andere Bereiche der Landwirtschaft – und des Lebens im Allgemeinen.

Die Schwierigkeiten bei der Weiterentwicklung von Streuobstwiesen liegen weniger im fehlenden fachlichen Wissen als in tief verankerten sozialen, kulturellen und emotionalen Strukturen. Viele Eigentümer haben ihre Flächen geerbt und bewirtschaften sie weniger aus innerer Überzeugung als aus einem Gefühl von Pflicht und Tradition heraus. Dabei orientieren sie sich stark am Verhalten im Dorf: Man macht es so, wie es immer gemacht wurde. Abweichungen führen schnell zu Rechtfertigungsdruck, weshalb Unsicherheit oft dazu führt, dass lieber gar nichts getan wird, als etwas „falsch“ zu machen.

Hinzu kommt, dass sich über die Jahre individuelle Überzeugungen zum Baumschnitt entwickelt haben, die weniger auf überprüfbarem Wissen als auf Erfahrung und Glauben beruhen. Diese Überzeugungen sind emotional tief verankert und werden entsprechend verteidigt. Neue Impulse werden daher häufig nicht als fachliche Bereicherung wahrgenommen, sondern als Angriff auf die eigene Kompetenz und Lebensleistung. Gerade bei älteren Generationen verstärkt sich dieser Effekt: Veränderungen würden implizit bedeuten, dass das eigene Handeln der vergangenen Jahrzehnte infrage steht. Entsprechend groß ist die Skepsis gegenüber „neuen“ Ansätzen, insbesondere wenn sie von außen oder von „Studierten“ kommen.

Streuobstwiesen sind zudem stark mit persönlichen Erinnerungen und Identität verbunden. Sie sind Orte der Kindheit, der Freiheit und des eigenen Wirkens. Eingriffe von außen werden daher schnell als Übergriff erlebt. Gleichzeitig bestehen viele unausgesprochene Unsicherheiten – etwa die Angst, Fehler zu machen oder den Erwartungen nicht zu genügen –, die jedoch selten offen benannt werden. Stattdessen äußern sie sich in Ablehnung oder Rückzug.

Veränderung wird vor allem dort möglich, wo jüngere Generationen Verantwortung übernehmen können und wo neue Ansätze praktisch erfahrbar werden. Entscheidend ist weniger das bessere Argument als vielmehr das sichtbare Ergebnis und der Aufbau von Vertrauen über Zeit. Letztlich zeigt sich: Eine zukunftsfähige Entwicklung von Streuobstwiesen ist vor allem eine soziale Aufgabe – sie erfordert Sensibilität für gewachsene Strukturen, Geduld und den behutsamen Aufbau neuer Erfahrungen.

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Zukunftsbilder – so könnten unsere Städte auch aussehen

Zukunftsbilder – so könnten unsere Städte auch aussehen

Zukunftsbilder [1]: Ein sehr schönes Buch, an dem Ute Scheub – mit der ich die beiden Bücher „Die Humusrevolution“ [2] und gerade erschienen „Aufbäumen gegen die Dürre“ [3] geschrieben habe – mitgewirkt hat. Eine Zeitreise in die Zukunft, in eine Welt, wie sie sein kann – grün, lebensfroh, fortschrittlich. Mit regenerativen Lösungen wie die Kreislaufwirtschaft und vertikale Gärten, Permakultur und Schwammstädten, Superblocks oder Gemeinwohlbanken. U.a. darin Fotos und Fotomontagen, die eine Jetzt-Aufnahme von Städten zeigen, und wie es in 20 Jahren auch aussehen könnte, wenn wir es wollten.

Ich finde die Bilder so schön, positiv und aussagekräftig (“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”), dass ich sie als “Aufmunterung” hier mal senden möchte. So schön kann die Zukunft aussehen… 🙂

[1] https://www.oekom.de/buch/zukunftsbilder-2045-9783962383862
[2] https://www.oekom.de/buch/die-humusrevolution-9783865818386
[3] https://www.oekom.de/buch/aufbaeumen-gegen-die-duerre-9783987260209

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Der gravierende Unterschied für den Wandel

Der gravierende Unterschied für den Wandel

Tja, besser kann man es nicht zusammenfassen: Alle sind für den Wandel, aber keiner will sich (und sein Verhalten) verändern…. Traurig, aber sehr viel dran.

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Die Kogi – Hüter der Erde

Die Kogi – Hüter der Erde

Bisschen off-topic, aber super interessant und wichtig: Ist noch eine Weile hin – aber hier schon mal ein wunderschöner erster Trailer zu einem im Entstehen begriffener Kinofilm über die Kogis, die „Hüter der Erde“. Sie waren letztes Jahr u.a. auch am Schloss Tempelhof, und einer unserer Mitbewohner hat sie dann nicht nur einige Wochen auf der Deutschlandtour begleitet, sondern ist für mehrere Wochen nach Kolumbien geflogen, um sie dort zu filmen. Was können wir von indigenen Kulturen lernen?

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