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Warum Veränderung so schwer ist

Warum Veränderung so schwer ist

Veränderungen sind ja nicht nur einfach auf dem Ratio basierend, so einfach umzusetzen, das kennt ja jeder von uns. Da spielen kulturelle, gesellschaftliche, persönliche Prägungen eine Rolle, Erinnerungen aus der Kindheit, und wie man es halt schon immer gemacht hat usw. Also, etwas, was auf anderen „Frequenzen“ unterwegs ist, als unsere gut gemeinten und gut begründbaren Argumente für die nötige und sinnvolle Veränderung.

Hier eine interessante Beschreibung von jemandem im Kontext der Streuobstwiesen – und warum Veränderungen (neue Erkenntnisse was Pflege und v.a. Schnitt angeht) dort so schwierig sind. In meinen Augen auch durchaus übertragbar auf andere Bereiche der Landwirtschaft – und des Lebens im Allgemeinen.

Die Schwierigkeiten bei der Weiterentwicklung von Streuobstwiesen liegen weniger im fehlenden fachlichen Wissen als in tief verankerten sozialen, kulturellen und emotionalen Strukturen. Viele Eigentümer haben ihre Flächen geerbt und bewirtschaften sie weniger aus innerer Überzeugung als aus einem Gefühl von Pflicht und Tradition heraus. Dabei orientieren sie sich stark am Verhalten im Dorf: Man macht es so, wie es immer gemacht wurde. Abweichungen führen schnell zu Rechtfertigungsdruck, weshalb Unsicherheit oft dazu führt, dass lieber gar nichts getan wird, als etwas „falsch“ zu machen.

Hinzu kommt, dass sich über die Jahre individuelle Überzeugungen zum Baumschnitt entwickelt haben, die weniger auf überprüfbarem Wissen als auf Erfahrung und Glauben beruhen. Diese Überzeugungen sind emotional tief verankert und werden entsprechend verteidigt. Neue Impulse werden daher häufig nicht als fachliche Bereicherung wahrgenommen, sondern als Angriff auf die eigene Kompetenz und Lebensleistung. Gerade bei älteren Generationen verstärkt sich dieser Effekt: Veränderungen würden implizit bedeuten, dass das eigene Handeln der vergangenen Jahrzehnte infrage steht. Entsprechend groß ist die Skepsis gegenüber „neuen“ Ansätzen, insbesondere wenn sie von außen oder von „Studierten“ kommen.

Streuobstwiesen sind zudem stark mit persönlichen Erinnerungen und Identität verbunden. Sie sind Orte der Kindheit, der Freiheit und des eigenen Wirkens. Eingriffe von außen werden daher schnell als Übergriff erlebt. Gleichzeitig bestehen viele unausgesprochene Unsicherheiten – etwa die Angst, Fehler zu machen oder den Erwartungen nicht zu genügen –, die jedoch selten offen benannt werden. Stattdessen äußern sie sich in Ablehnung oder Rückzug.

Veränderung wird vor allem dort möglich, wo jüngere Generationen Verantwortung übernehmen können und wo neue Ansätze praktisch erfahrbar werden. Entscheidend ist weniger das bessere Argument als vielmehr das sichtbare Ergebnis und der Aufbau von Vertrauen über Zeit. Letztlich zeigt sich: Eine zukunftsfähige Entwicklung von Streuobstwiesen ist vor allem eine soziale Aufgabe – sie erfordert Sensibilität für gewachsene Strukturen, Geduld und den behutsamen Aufbau neuer Erfahrungen.

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Verändern, damit etwas bestehen bleiben kann

Verändern, damit etwas bestehen bleiben kann

Sehr interessante Worte in der FAZ (in einem anderen Zusammenhang formuliert aber in meinen Augen passend):

Wahre Konservative, wenn sie nicht nur reagieren, sondern handeln wollen, sollten sich klarmachen, dass es nicht bloß ein geistreiches und paradoxes Bonmot ist, wenn Giuseppe Tomasi di Lampedusa den jungen Adeligen Tancredi in seinem Roman „Der Leopard“ sagen lässt: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert.“

Tancredis Worte müssten heute der zentrale Glaubenssatz aller Konservativen sein. Wirtschaft, Ackerbau und Viehzucht müssen umgebaut, Städte- und Wohnungsbau neu geplant, die Essgewohnheiten überdacht werden: nicht, damit die bürgerliche Lebensform endlich untergehe. Sondern damit sie überlebe.

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