Spannende Untersuchung (bzw. Video-Dokumentation) aus einer Trockenregion der USA (Südwest Arizona). Dort hat ein Landwirt über 2.000 kleine und größere Steindämme in seinem Einzugsgebiet gebaut. Angefangen hat es mit einer nur kleinen Struktur, die die Erosion seines Fahrweges reduzieren sollte. Im Verlauf der nächsten Wochen und Monate stellte er fest, dass das Gras in den angrenzenden Bereichen deutlich grüner war. Daraufhin fing er damit an, an vielen Stellen solche durchlässigen „Querbauwerke“ mit wenig Aufwand zu bauen.
Eine Untersuchung der USGS brachte erstaunliche Ergebnisse zu Tage:
- Die durchschnittliche Abflussrate bei Starkregenereignissen wurde um rund 50 % reduziert.
Das Wasser schoss also nicht mehr so schnell durch das Einzugsgebiet, sondern wurde durch die vielen kleinen Strukturen immer wieder gebremst. - Der sommerliche Basisabfluss hielt drei bis vier Wochen länger an.
Wasser, das sonst innerhalb kurzer Zeit abgeflossen wäre, blieb länger im Boden- und Gewässersystem und wurde verzögert wieder abgegeben. - Besonders überraschend: Insgesamt floss im behandelten Einzugsgebiet 28 % mehr Wasser bachabwärts als im benachbarten Vergleichsgebiet ohne Steindämme.
Die Forschenden vermuten als wesentlichen Mechanismus, dass sich oberhalb des relativ undurchlässigen Grundgesteins oberflächennahe Wasserspeicher bildeten. Das zurückgehaltene und versickerte Wasser ging also nicht einfach „verloren“, sondern gelangte zeitverzögert wieder in den Bach. - Gleichzeitig wurden große Mengen Boden zurückgehalten: Modellierungen ergaben rund 200 Tonnen Sediment pro Jahr, die sich an den Strukturen ablagerten, statt aus dem Einzugsgebiet herausgespült zu werden.
Dadurch entstanden wiederum bessere Bedingungen für Vegetation, die den Boden zusätzlich stabilisiert und den Wasserrückhalt weiter verstärkt.
Das Spannende daran ist weniger die einzelne Zahl – die Ergebnisse dieses Einzugsgebietes lassen sich natürlich nicht einfach auf andere Regionen übertragen – als das dahinterstehende Prinzip: Viele kleine, durchlässige Strukturen verändern den Weg und vor allem die Aufenthaltszeit des Wassers in der Landschaft.
Statt nach einem Starkregen schnell und erosiv abzufließen, wird das Wasser immer wieder gebremst, kann versickern, Boden und Sedimente auffüllen und anschließend über Tage und Wochen langsam wieder abgegeben werden.
Und genau hier sehe ich die Parallele zu unseren Bibern: Sie machen mit ihren kleinen Dämmen im Grunde etwas sehr Ähnliches. Nicht möglichst große Stauseen sind entscheidend, sondern viele kleine Strukturen, die den Abfluss bremsen und das Wasser wieder stärker mit Boden und Landschaft in Kontakt bringen.
Wir müssen das Wasser nicht einfach festhalten – wir müssen seinen Weg durch die Landschaft verlängern.
Video: https://www.youtube.com/watch?v=c2tYI7jUdU0




