dürre

Es geht nur zusammen (12/12)

Es geht nur zusammen (12/12)

Dürre, Hitze, Starkregen und Ernteausfälle sind keine Probleme, die eine Gruppe allein lösen kann. Nicht die Landwirtschaft allein. Nicht die Kommunen allein. Nicht die Politik allein. Nicht die Bürgerinnen und Bürger allein.

Aber jede Gruppe hat Verantwortung – und jede hat Handlungsmöglichkeiten.

Landwirte können Böden aufbauen, Wasser halten, Fruchtfolgen erweitern, Zwischenfrüchte nutzen, Agroforst erproben und Verdichtung vermeiden. Forstleute können Wälder vielfältiger und widerstandsfähiger entwickeln. Kommunen können entsiegeln, Bäume pflanzen, Auen freihalten und Wasser in der Planung ernst nehmen. Unternehmen können regionale, regenerative Wertschöpfung unterstützen. Politik kann die Rahmenbedingungen setzen. Bürgerinnen und Bürger können nachfragen, unterstützen, konsumieren, mitgestalten und Druck aufbauen.

Niemand kann alles tun. Aber fast alle können etwas tun. Und vor allem: Wir müssen die einzelnen Schritte besser verbinden.

Genau das ist die Botschaft von „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“: Wir sind der Entwicklung nicht hilflos ausgeliefert. Unsere Landschaften sind veränderbar. Und damit auch ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern, zu kühlen und Extreme abzufedern.

Die Lösungen sind da. Jetzt müssen wir sie ernst nehmen, finanzieren, in die Fläche bringen und gemeinsam umsetzen.

Nicht gegeneinander. Sondern zusammen. Denn Wasser, Boden, Wald, Landwirtschaft, Dorf und Stadt gehören in Wirklichkeit längst zusammen.

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Politik muss die richtigen Rahmen setzen (11/12)

Politik muss die richtigen Rahmen setzen (11/12)

Viele Lösungen gegen Dürre und Fluten sind bekannt. Die Frage ist nicht mehr nur: Was kann man tun? Die Frage ist zunehmend: Warum tun wir es nicht viel entschlossener?

Landwirte sollen Böden aufbauen, Wasser halten, Biodiversität fördern und zugleich wirtschaftlich bestehen. Kommunen sollen Klimaanpassung umsetzen, haben aber oft wenig Personal, enge Budgets und komplizierte Zuständigkeiten. Unternehmen sprechen über Nachhaltigkeit, kaufen aber häufig weiter nach dem niedrigsten Preis. Bürgerinnen und Bürger wünschen sich intakte Landschaften, wollen aber verständlicherweise auch bezahlbare Lebensmittel.

Genau deshalb braucht es Politik. Nicht als Ersatz für Eigenverantwortung, sondern als Rahmen, der gutes Handeln möglich und attraktiv macht.

Förderprogramme, Agrarpolitik, Wasserrecht, Raumordnung, Bauleitplanung, Beratung, Forschung, öffentliche Beschaffung und Marktregeln müssen so gestaltet werden, dass wasserspeichernde Landschaften belohnt und nicht behindert werden. Wer Humus aufbaut, Wasser zurückhält, Hecken pflanzt, Agroforst anlegt, Moore schützt oder Auen reaktiviert, erbringt Leistungen für die ganze Gesellschaft.

Diese Leistungen dürfen nicht als freiwilliges Ideal einzelner Betriebe hängen bleiben. Sie brauchen verlässliche Finanzierung, einfache Verfahren und politische Priorität.

In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ zeigen wir: Es geht nicht um einzelne Leuchtturmprojekte. Es geht um Rahmenbedingungen, die Lösungen in die Fläche bringen.

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Waldumbau ist auch Wassermanagement (9/12)

Waldumbau ist auch Wassermanagement (9/12)

Wenn Wälder unter Trockenheit leiden, sehen wir das oft erst spät: lichte Kronen, Borkenkäfer, vertrocknete Jungpflanzen, steigende Brandgefahr. Doch die Ursachen liegen tiefer.

Die Widerstandskraft eines Waldes hängt auch davon ab, wie er aufgebaut und bewirtschaftet wird. Monotone Bestände, verdichtete Böden, gestörte Wasserhaushalte und zu wenig Struktur erhöhen seine Anfälligkeit. Gleichzeitig setzt die Klimaänderung inzwischen selbst naturnahe und bisher robuste Wälder – etwa Buchenwälder – sichtbar unter Druck.

Genau deshalb ist Waldumbau nicht nur eine Frage der Baumarten. Er ist auch Wassermanagement. Mischwälder, mehr Struktur, Dauerwaldansätze, Bodenschutz, weniger Verdichtung, Totholz, Humusaufbau, gestufte Waldränder, Quellschutz und kleine Rückhaltestrukturen können helfen, Wasser länger im Wald zu halten.

Ein stabiler Wald ist keine Wasserfabrik, die unabhängig von allem funktioniert. Aber er kann Böden schützen, Wind bremsen, kühlen, Infiltration fördern und den Landschaftswasserhaushalt stärken. Und er steht nicht isoliert da. Der Wald hängt mit angrenzenden Äckern, Wiesen, Bächen, Wegen und Siedlungen zusammen.

In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ geht es deshalb nicht um Landwirtschaft oder Wald als getrennte Welten. Es geht um ganze Landschaften. Wenn wir Wasser halten wollen, müssen wir diese Zusammenhänge wieder ernst nehmen – von der Rückegasse bis zur Aue, vom Acker bis zum Dorf.

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Auen und Feuchtgebiete sind keine Restflächen (8/12)

Auen und Feuchtgebiete sind keine Restflächen (8/12)

Auen, Moore und Feuchtgebiete wurden lange als unproduktive Restflächen betrachtet: zu nass, zu unordentlich, schwer nutzbar. Also hat man sie entwässert, begradigt, eingedeicht, umgebrochen oder bebaut.

Heute sehen wir immer deutlicher, was dabei verloren gegangen ist. Diese Räume können Wasser speichern, Hochwasserspitzen dämpfen, Grundwasser speisen, Biodiversität tragen, Kohlenstoff binden und Landschaften kühlen. Gerade in Zeiten von Dürre und Starkregen sind sie keine Nebensache, sondern Sicherheitsräume.

Das heißt nicht, dass jede Fläche sofort aus der Nutzung genommen werden muss. Aber es heißt: Wir brauchen eine neue Wertschätzung für nasse, feuchte und dynamische Landschaftsteile. Wiedervernässung, Auenentwicklung, Pufferstreifen, Gewässerrandstreifen und Raum für Flüsse sind praktische Klimaanpassung.

Auch für die Landwirtschaft kann das eine Chance sein, wenn es fair gestaltet wird: mit Ausgleich, Beratung, neuen Nutzungsformen, Paludikulturen auf wiedervernässten Mooren, extensiver Beweidung, regionaler Wertschöpfung und klaren Regeln. Niemand sollte mit den Kosten allein gelassen werden, wenn die Gesellschaft von mehr Wasserrückhalt profitiert.

In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ zeigen wir: Wasser braucht Platz. Wenn wir ihm keinen Raum geben, nimmt es ihn sich bei Starkregen. Wenn wir ihm Raum geben, kann es uns durch Trockenzeiten helfen.

Das ist eine kommunale, landwirtschaftliche und politische Aufgabe zugleich.

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Drainagen, Gräben und begradigte Bäche: Wir haben Landschaften auf Abfluss gebaut (7/12)

Drainagen, Gräben und begradigte Bäche: Wir haben Landschaften auf Abfluss gebaut (7/12)

Über Jahrzehnte haben wir viele Landschaften darauf optimiert, Wasser möglichst schnell loszuwerden. Drainagen im Acker, tiefe Gräben, begradigte Bäche, befestigte Wege, Kanalisation, versiegelte Flächen. Was früher als Fortschritt galt, wird in Zeiten von Dürre und Starkregen zunehmend zum Risiko.

Denn Wasser, das im Winter oder nach Starkregen schnell aus der Fläche abgeführt wird, fehlt später im Boden, im Grundwasser, in den Pflanzen und in der Verdunstungskühlung. Gleichzeitig steigt bei Starkregen die Gefahr von Erosion und Hochwasser, weil das Wasser kaum gebremst wird.

Natürlich kann man nicht einfach jede Drainage kappen oder jeden Graben zuschütten. Landwirtschaft braucht befahrbare Flächen, Siedlungen brauchen Sicherheit, manche Standorte müssen entwässert werden. Aber wir müssen die Grundfrage neu stellen: Wo muss Wasser wirklich weg – und wo sollte es bleiben?

In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ beschreiben wir viele Möglichkeiten: Abfluss bremsen, Gräben anders managen, Bäche wieder mäandrieren lassen, kleine Rückhalteräume schaffen, Wege entschärfen, Felder quer zum Gefälle strukturieren, Keyline-Prinzipien nutzen, Senken reaktivieren und Wasser in der Fläche verteilen.

Das ist keine romantische Rückkehr in eine Vergangenheit. Es ist moderne Klimaanpassung. Wir brauchen Landschaften, die nicht reflexartig entwässern, sondern klug unterscheiden: ableiten, wo es nötig ist – halten, wo es möglich ist.

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Starkregen ist kein Geschenk, wenn die Landschaft ihn nicht halten kann (6/12)

Starkregen ist kein Geschenk, wenn die Landschaft ihn nicht halten kann (6/12)

Nach Wochen der Trockenheit klingt Regen erst einmal wie Erlösung. Aber wenn er als Starkregen fällt, ist das Wasser oft schneller wieder weg, als es der Landschaft wirklich hilft.

Verdichtete, ausgetrocknete oder verschlämmte Böden nehmen Wasser schlecht auf. Begradigte Bäche, Gräben, Drainagen, versiegelte Flächen und steile Wege beschleunigen den Abfluss zusätzlich. Dann wird aus dringend benötigtem Regen Erosion, Schlamm, Hochwasser – und danach kommt erneut Trockenheit.

Genau deshalb gehören Dürre und Flut zusammen. Es sind nicht zwei getrennte Probleme, sondern oft zwei Folgen derselben Landschaftslogik: Wasser soll schnell weg. Das war lange ein Ziel von Planung, Landwirtschaft, Siedlungsbau und Gewässerausbau. Heute merken wir, wie verletzlich uns das macht.

In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ beschreiben wir deshalb viele Ansätze, um Wasser zu bremsen: humusreiche Böden, dauerhafte Bodenbedeckung, Querstrukturen, Hecken, Agroforst, Mulden, Retentionsflächen, Feuchtgebiete, Auen, kleine Rückhaltestrukturen und eine Bewirtschaftung quer zum Gefälle.

Das Prinzip ist einfach, die Umsetzung anspruchsvoll: Regen muss wieder Zeit bekommen. Zeit zum Versickern. Zeit, den Boden zu füllen. Zeit, Grundwasser zu speisen. Zeit, später über Pflanzen wieder zu kühlen.

Wir werden Starkregen nicht verhindern. Aber wir können entscheiden, ob Landschaften ihn nur ableiten – oder aufnehmen.

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Pflanzen sind Klimaanlagen (5/12)

Pflanzen sind Klimaanlagen (5/12)

Oft wird Vegetation in Trockenzeiten vor allem als Wasserverbraucher gesehen. Natürlich brauchen Pflanzen Wasser. Aber sie leisten gleichzeitig etwas, das wir viel zu selten mitdenken: Sie kühlen.

Durch Verdunstung wird Sonnenenergie in latente Wärme umgewandelt. Das heißt: Die Energie heizt nicht einfach Boden und Luft auf, sondern wird in den Wasserkreislauf gebracht. Eine grüne, gut wasserversorgte Landschaft fühlt sich deshalb völlig anders an als eine trockene, kahle oder versiegelte Fläche.

Bäume, Hecken, Wiesen, Zwischenfrüchte, Agroforststreifen und Wälder sind also nicht nur „Natur“. Sie sind Teil einer lebendigen Kühlungsstruktur. Sie bremsen Wind, spenden Schatten, erhöhen die Luftfeuchte, schützen Böden und schaffen Mikroklimate. Gerade für Landwirtschaft ist das entscheidend: Pflanzen können Pflanzen schützen.

Agroforst ist dafür ein gutes Beispiel. Gehölzstreifen in der Agrarlandschaft können Wind reduzieren, Verdunstungsverluste mindern, Tiere und Kulturen beschatten, Erosion bremsen und langfristig zusätzliche Erträge liefern. Auch Hecken, Baumreihen und vielfältige Feldränder sind keine Nostalgie, sondern praktische Klimaanpassung.

In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ zeigen wir: Klimaanpassung heißt nicht nur höhere Deiche, größere Rohre oder mehr Beregnung. Klimaanpassung heißt auch, Landschaften so zu gestalten, dass sie Wasser halten und sich selbst kühlen können.

Pflanzen sind dabei keine Dekoration. Sie sind Funktion.

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Nackter Boden ist eine offene Wunde (4/12)

Nackter Boden ist eine offene Wunde (4/12)

Ein unbedeckter Boden ist in heißen Sommern nicht einfach nur „frei“. Er ist ungeschützt. Er heizt sich stark auf, verliert Wasser, verschlämmt bei Starkregen schneller und bietet dem Bodenleben wenig Nahrung. Gerade in Zeiten von Trockenheit und Hitze wird das zu einem zentralen Problem.

Boden braucht Schutz – so wie unsere Haut. Pflanzenreste, Mulch, Zwischenfrüchte, Untersaaten und lebende Wurzeln beschatten die Oberfläche, füttern Bodenorganismen, verbessern die Krümelstruktur und helfen, Wasser im Boden zu halten. Je länger ein Boden im Jahr bedeckt und durchwurzelt ist, desto besser kann er mit Regen, Hitze und Trockenheit umgehen.

Das klingt vielleicht unspektakulär. Aber genau darin liegt die Kraft. Viele Lösungen gegen Dürre sind nicht spektakulär, sondern konsequent: Boden bedecken, Bodenleben fördern, Wurzeln wachsen lassen, Verdichtung vermeiden, Wasser nicht unnötig abführen.

In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ beschreiben wir, warum eine grüne, lebendige Landschaft anders mit Wasser umgeht als eine ausgeräumte, verdichtete und schnell abfließende. Eine Landschaft mit Pflanzen bremst Wind, schützt Böden, kühlt durch Verdunstung und hält Regen länger dort, wo er gebraucht wird.

Die Lösung beginnt nicht erst beim großen Infrastrukturprojekt. Sie beginnt oft mit einer einfachen Frage auf jedem Feld, an jedem Wegrand, in jeder Kommune: Ist der Boden bedeckt – oder ist er der Sonne, dem Wind und dem nächsten Starkregen schutzlos ausgeliefert?

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Landwirtschaft kann Wasser verlieren oder Wasser halten (3/12)

Landwirtschaft kann Wasser verlieren oder Wasser halten (3/12)

Landwirtschaft steht in Dürrejahren oft zuerst unter Druck. Kulturen leiden, Grünland wächst kaum nach, Futter wird knapp, Erträge brechen ein und Betriebe geraten wirtschaftlich in Bedrängnis. Das sollte niemand leichtfertig kommentieren.

Gleichzeitig bewirtschaftet die Landwirtschaft einen großen Teil unserer Landschaft. Und damit auch einen großen Teil unseres Wasserhaushalts. Auf jedem Acker, auf jeder Wiese entscheidet sich mit, ob Wasser versickert oder abfließt, ob der Boden bedeckt oder nackt ist, ob Wurzeln Poren schaffen, ob Humus aufgebaut oder abgebaut wird.

Das macht Landwirtschaft nicht zum Sündenbock. Im Gegenteil: Es macht sie zu einem der wichtigsten Hebel für Lösungen.

Regenerative Methoden können hier sehr konkret ansetzen: vielfältigere Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, Untersaaten, Mischkulturen, Agroforst, reduzierte Bodenbearbeitung, gezieltes Weidemanagement, mehr organische Substanz, mehr Dauerwurzeln und eine Bewirtschaftung, die Bodenleben und Wasseraufnahme in den Mittelpunkt stellt.

In unserem Buch „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ zeigen wir: Landwirtschaft ist nicht nur Opfer von Dürre und Hitze. Sie kann ein zentraler Teil der Antwort sein. Aber dafür braucht es Rahmenbedingungen, die diesen Weg ermöglichen: Beratung, Finanzierung, Risikoabfederung, faire Preise und eine Agrarpolitik, die Wasserhaltefähigkeit und Bodenaufbau wirklich honoriert.

Wenn wir über Dürre sprechen, müssen wir also auch über Landwirtschaft sprechen. Nicht gegen die Landwirte, sondern mit ihnen.

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Der wichtigste Wasserspeicher heißt Boden (2/12)

Der wichtigste Wasserspeicher heißt Boden (2/12)

Wenn wir über Dürre sprechen, denken viele zuerst an Stauseen, Brunnen, Bewässerung oder Wasserverbote. Alles wichtige Themen. Aber der größte und wichtigste Wasserspeicher unserer Kulturlandschaft liegt direkt unter unseren Füßen: der Boden.

Ein lebendiger, gut durchwurzelter und humusreicher Boden kann Regen aufnehmen wie ein Schwamm. Ein verdichteter, verarmter oder lange unbedeckter Boden kann das oft nicht mehr. Dann läuft Wasser oberflächlich ab, reißt Erde mit, füllt Gräben und Bäche – und fehlt später den Pflanzen.

Genau hier liegt eine enorme Chance für die Landwirtschaft. Nicht als Schuldzuweisung, sondern als Potenzial. Zwischenfrüchte, Untersaaten, vielfältige Fruchtfolgen, weniger intensive Bodenbearbeitung, Kompost, Mist, Mulch, Dauerbegrünung und mehr lebende Wurzeln im Boden sind keine kleinen Nebenthemen. Sie sind aktive Wasserpolitik auf dem Acker.

In „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ beschreiben wir den Boden deshalb als Infrastruktur. Nicht aus Beton, sondern lebendig. Und diese Infrastruktur wurde über Jahrzehnte vielerorts geschwächt: durch Humusabbau, Verdichtung, Erosion, fehlende Bodenruhe und zu wenig Pflanzenvielfalt.

Die gute Nachricht: Boden kann sich erholen. Nicht von allein und nicht über Nacht. Aber mit konsequenter Bewirtschaftung, guter Beratung, passenden Förderungen und fairen Märkten kann Landwirtschaft wieder mehr Wasser in der Fläche halten. Das wäre nicht nur gut für den Boden. Es wäre gut für Erträge, Grundwasser, Klima, Biodiversität und die ganze Landschaft.

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Dürre ist kein Schicksal (1/12)

Dürre ist kein Schicksal (1/12)

Die Schlagzeilen sind voll von Trockenheit, Hitze und Ernteausfällen. Schnell heißt es dann: Der Klimawandel ist schuld.
Ja: Er verschärft die Lage. Aber er ist nicht die ganze Erklärung.

Denn ob Regen in einer Landschaft versickert oder oberflächlich abfließt, ob Böden Wasser speichern oder austrocknen, ob Pflanzen kühlen oder vertrocknen, hängt sehr stark davon ab, wie wir unsere Landschaften bewirtschaften. Dürre entsteht nicht nur am Himmel. Sie entsteht auch am Boden.

In unserem Buch „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ beschreiben wir genau diesen Zusammenhang: Humusverlust, Verdichtung, Drainagen, ausgeräumte Flächen, versiegelte Böden und beschleunigter Abfluss machen Landschaften verletzlicher.

Die gute Nachricht ist: Genau dort liegen auch viele Lösungen. Wir können Böden wieder aufbauen, Wasser bremsen, Vegetation zurückbringen, Landwirtschaft umbauen und Landschaften wieder kühlender und wasserspeichernder gestalten.

Nicht irgendwann. Sondern jetzt. Und nicht nur auf dem Papier.

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Neue Serie: Dürre ist kein Schicksal – wir haben Lösungen

Neue Serie: Dürre ist kein Schicksal – wir haben Lösungen

Die Bilder der letzten Wochen sind alarmierend: ausgetrocknete Böden, sinkende Erträge, gestresste Wälder, trockene Bäche und Flüsse. Vieles wird – zu Recht – mit dem Klimawandel erklärt.

Aber das ist nur ein Teil der Geschichte.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit der Frage, warum Landschaften austrocknen – und vor allem, was wir dagegen tun können. Gemeinsam mit Ute Scheub habe ich dazu das Buch „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten“ geschrieben. Die zentrale Botschaft lautet: Wir sind der Entwicklung nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt Lösungen. Viele davon sind bekannt, wissenschaftlich gut belegt und können sofort umgesetzt werden.

In den nächsten Tagen möchte ich deshalb eine kleine Serie veröffentlichen. Es geht um die Ursachen von Dürre und Hitze, aber vor allem um konkrete Lösungsansätze: in der Landwirtschaft, im Wald, in unseren Flussauen, in Kommunen und letztlich in der Politik.

Denn Wasser ist kein Thema nur für Landwirte oder Förster. Es betrifft unsere Ernährung, unsere Gesundheit, unsere Wirtschaft und unsere Zukunft. Es kostet anfangs Zeit und Geld, braucht die Offenheit und Bereitschaft von Politik, Kommunen, Landwirt:innen und Konsument:innen. Aber es spart uns – sofort und zukünftig – immense Kosten: Stichwort: technische Retentionsflächen oder Kosten von Überschwemmungen oder Dürren, als Beispiel.

Ich freue mich auf den Austausch – und vielleicht auch auf die eine oder andere kontroverse Diskussion. Denn eines ist klar: Wenn wir unsere Landschaften verändern, können wir auch ihre Zukunft verändern.

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Dürre gab es schon immer – aber war sie auch so heiß?

Dürre gab es schon immer – aber war sie auch so heiß?

Hungersteine an Elbe und Rhein erinnern eindrucksvoll daran, dass extreme Trockenheit in Mitteleuropa kein neues Phänomen ist. Rekonstruktionen zeigen immer wieder außergewöhnliche Dürrejahre, etwa 1540, 1616, 1718/19, 1842, 1865, 1893, 1921, 1947 oder 1976. Starke Dürren traten durchaus mehrmals pro Jahrhundert auf.

Auch am Rhein gab es immer wieder extreme Niedrigwasser. 1921 gehört beispielsweise zu den trockensten Jahren der rekonstruierten Zeitreihe. Die Aussage „So eine Trockenheit hat es früher nicht gegeben“ greift deshalb zu kurz.

Doch Trockenheit ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Hitze – und hier hat sich die Situation durch den menschengemachten Klimawandel deutlich verändert.

Die Dürre 2026 zeigt das eindrücklich. Große Teile Europas erleben außergewöhnliche Hitze und Trockenheit, Flüsse führen extremes Niedrigwasser und vielerorts brennen Wälder und Landschaften. Selbst im eigentlich feuchten Hohen Venn an der belgisch-deutschen Grenze brannten rund 3.000 Hektar – der größte Brand dieser Art in der Geschichte Belgiens.

Historische Dürren konnten hinsichtlich Wassermangel und Dauer durchaus mit heutigen Extremereignissen mithalten oder sie sogar übertreffen. Aber heute treffen solche Trockenperioden auf ein deutlich wärmeres Grundklima. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied.

Höhere Temperaturen erhöhen den Verdunstungsanspruch der Atmosphäre und damit den Wasserverlust von Böden und Vegetation. Trockene Böden verstärken wiederum die Hitze, weil weniger Energie in Verdunstung und mehr in die Erwärmung der Oberfläche fließt. Hitze und Trockenheit schaukeln sich gegenseitig hoch.

Studien zeigen entsprechend, dass kombinierte Hitze-Dürre-Ereignisse in Europa in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen haben. Seit Mitte der 1990er-Jahre sind Monate, die gleichzeitig heiß und trocken sind, wesentlich häufiger geworden. Der wesentliche Treiber dafür ist die Erwärmung.

Das macht auch 2026 außergewöhnlich. Nicht unbedingt, weil es eine solche Trockenheit in den vergangenen Jahrhunderten noch nie gegeben hätte. Sondern weil sie in einem durch den menschengemachten Klimawandel bereits deutlich erwärmten Europa stattfindet. Ohne diese Erwärmung wären die Temperaturen, die Verdunstung und damit auch viele der Auswirkungen erheblich geringer.

Dürre ist nicht neu. Aber die Dürre von heute ist heißer – im neuen Wording „heiße Dürre„. Und genau diese Kombination aus historisch immer wiederkehrender Trockenheit und menschengemachter Erwärmung macht die Situation zunehmend gefährlich – für Wälder, Moore, Landwirtschaft, Flüsse und unseren gesamten Landschaftswasserhaushalt.

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Unser Buch »Aufbäumen gegen die Dürre. Wie uns die Natur helfen kann, den Wassernotstand zu beenden« – Ute Scheub & Stefan Schwarzer

Unser Buch »Aufbäumen gegen die Dürre. Wie uns die Natur helfen kann, den Wassernotstand zu beenden« – Ute Scheub & Stefan Schwarzer

Aus aktuellem Anlass – Trockenheit und Dürre – möchte ich unser Buch empfehlen: »Aufbäumen gegen die Dürre« (Amazon, Buch7, oekom). Das Buch zeigt, dass die zunehmenden Dürren und Wetterextreme nicht allein eine Folge des Klimawandels sind. Ebenso entscheidend ist die Art und Weise, wie wir seit Jahrzehnten mit unseren Landschaften umgehen.

Entwässerte Moore, begradigte Flüsse, Drainagen, verdichtete Böden, versiegelte Flächen und eine Landwirtschaft, die vielerorts zu wenig Wasser in der Landschaft hält, führen dazu, dass Regen immer schneller abfließt. Die Folge: sinkende Grundwasserspiegel, ausgetrocknete Böden, zunehmende Hitze – und gleichzeitig ein höheres Risiko für Hochwasser.

Die gute Nachricht lautet: Wir können diese Entwicklung beeinflussen. Gesunde Böden, vielfältige Vegetation, Agroforstsysteme, Humusaufbau, naturnahe Gewässer und ein intelligentes Wassermanagement machen Landschaften wieder zu Wasserspeichern. Sie kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung, fördern die Grundwasserneubildung, stärken die Biodiversität und erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürre und Starkregen.

»Aufbäumen gegen die Dürre« lädt dazu ein, den Klimawandel nicht nur in der Atmosphäre zu betrachten, sondern auch am Boden. Denn dort liegt ein oft übersehener Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft – und zahlreiche Lösungen, die wir schon heute umsetzen können.

Buch: https://www.oekom.de/buch/aufbaeumen-gegen-die-duerre-9783987260209

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Vortrag „Zu viel Wasser Zu wenig Wasser. – Wie Böden, Vegetation und Landwirtschaft unsere Gemeinden schützen können“, Stefan Schwarzer

Vortrag „Zu viel Wasser Zu wenig Wasser. – Wie Böden, Vegetation und Landwirtschaft unsere Gemeinden schützen können“, Stefan Schwarzer

Vortrag von Stefan Schwarzer: „Zu viel Wasser Zu wenig Wasser. Wie Böden, Vegetation und Landwirtschaft unsere Gemeinden schützen können“ anlässlich des 1. BürgerForums Zukunftlandschaft im Deggenhauser Tal, 27.2.2026

Zwei Seiten einer Medaille – das zu viel und das zu wenig an Wasser, Überflutungen und Dürren. Das betrifft direkt die Landwirtschaft, auch die Waldwirtschaft und dann letzten Endes auch die Wasserwirtschaft. Und damit uns alle. Betroffene Landwirt:innen, reduzierte Ernten, sterbende Wälder, Schäden in den Kommunen, austrocknende Bäche, sinkende Grundwasserspiegel.

Daran Schuld ist aber nicht allein der menschengemachte Klimawandel – sondern eben auch sehr stark wie wir das Land managen. Das bisherige vorherrschende Paradigma war das, Wasser möglichst schnell abzuführen: Drainagen, Gräben, Kanalisation, dazu – nicht unbedingt gewollt – oberflächlicher Abfluss auf den Äckern und auch Wiesen, und auch teilweise im Wald. Kein Wunder dass es dann immer wieder irgendwo „zu viel“ wird. Und ja dann auch irgendwo fehlt.

Dazu die (fehlende) Klima-kühlende Funktion von Vegetation, wenn im Sommer viele Äcker wochenlang brach liegen und sonst auch nicht unbedingt in voller grüner Pracht sind.

Und der Einfluss der Bewirtschaftung auf das Mikrobiom Boden, Pflanze, Tier und Mensch.

Ein paar Aspekte, die hier in einem kurzen Vortrag beleuchtet werden, und Lösungen für alle diese Probleme (kurz) vorgeschlagen werden.

https://youtu.be/1Ago0CaRM-M

Regenerate Forum: https://de.regenerateforum.org

 

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Deutschland: Klimawandel bringt mehr Dürren trotz Regen

Deutschland: Klimawandel bringt mehr Dürren trotz Regen

Paradox: Bei uns in Mitteleuropa könnte es in Zukunft mehr Dürren und Ernteausfälle geben – obwohl durch den Klimawandel mehr Niederschläge fallen. Deutschland gehört demnach neben Westeuropa und Teilen Nordamerikas zu den Hotspots für solche landwirtschaftlichen Dürren. Der Grund dafür: Die Erwärmung erhöht die Verdunstung vor allem im Frühjahr so stark, dass die Böden schneller austrocknen, als der Regen dies ausgleichen kann, so das Team in „Nature Geoscience“.

Um so wichtiger ist es, dafür zu sorgen dass der Boden mehr Wasser speichern kann, nämlich durch Humusaufbau. Das ist möglich, wie viele Betriebe in Deutschland und Europa zeigen, über ein anderes Verständnis des Hofes, der natürlichen Kreisläufe und dem damit einhergehenden Einsatz verschiedenster Maßnahmen: weite Fruchtfolge, vielfältige Zwischenfrüchte, Untersaaten, reduzierte Bodenbearbeitung, Agroforstwirtschaft, Nutzung von wertvollem Kompost, Integration von Tieren in den Acker, usw.

https://www.scinexx.de/news/geowissen/deutschland-klimawandel-bringt-mehr-duerren-trotz-regen/

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Verlust von Wasserreserven: UN warnen vor globalem „Wasserbankrott“

Verlust von Wasserreserven: UN warnen vor globalem „Wasserbankrott“

Betrifft (fast) die ganze Welt – auch Deutschland: „Seen, Feuchtgebiete, Gletscher: Viele Wasserreserven sind erschöpft und für den Menschen unwiederbringlich verloren, warnt ein UN-Bericht. Die Vereinten Nationen mahnen, jetzt entschlossen zu handeln.“

Es reiche nicht mehr, von einer Krise zu sprechen, sagt Kaveh Madani. Er ist Direktor des UN-Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit und Hauptautor des neuen Wasserberichts. Das Wort „Krise“ suggeriere, dass es ein vorläufiger Zustand sei, von dem man sich erholen könne. Sein Bericht zeige aber eine andere Realität.An vielen Orten kämen Wasserreserven nicht mehr in einem für Menschen relevanten Zeitraum zurück. Im Bericht wird deshalb von „Wasserbankrott“ gesprochen, von einem unumkehrbaren Verlust von Süßwasserreserven.

Das heißt auch ganz konkret in Deutschland: Wir müssen Schwamm- oder Klimalandschaften entwickeln, die Wasser zurück halten, speichern versickern lassen. Slow it, spread it, store it, sink it – ist die Devise. Die entsprechenden Ansätze sind bekannt: Steigerung der Bodenfruchtbarkeit über größere Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, Untersaaten, Mischkulturen, Nutzung von gutem Kompost, Agroforstwirtschaft, Keyline Design usw. — Siehe dazu auch unser Buch „Aufbäumen gegen die Dürre“, da steht alles dazu drinne.

https://www.tagesschau.de/wissen/klima/un-bericht-wasserreserven-100.html

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Der Süden und Osten Europas trocknen aus – und Deutschland betrifft es auch

Der Süden und Osten Europas trocknen aus – und Deutschland betrifft es auch

Europa wird trockener, v.a. wenn man in die tieferen Schichten schaut, da wo das Wasser im Boden und im Grundwasser gespeichert wird. The Guardian titelt: „Europas Wasserreserven versiegen aufgrund des Klimawandels“ und der Spiegel schriebt dazu: „Der Süden und Osten Europas trocknen aus – und Deutschland zählt noch dazu“.

Das sind keine neuen Botschaften (siehe z.B. „Deutschland hat in den letzten 20 Jahren so viel Wasser verloren wie im Bodensee gespeichert ist„). Aber in meinen Augen liegt es nicht nur „am Klimawandel“, sondern sehr stark auch an der Landbewirtschaftung und der Art und Weise wie wir mit Wasser umgehen. Denn dieses fließt bei etwas stärkeren Regenereignissen zu einem gute Teil von den landwirtschaftlichen Flächen oberflächlich ab, die Drainagen entwässern, die Gräben entlang fast jeden Weges und jeder Straße tun dies ebenso… weswegen wir uns nicht wundern sollten, dass im Grundwasser nicht mehr viel ankommt.

Das war früher sicherlich anders, aber die veränderten Niederschlagsmuster – seltenen dafür heftiger – führen eben dazu dass bei schlechtem Landmanagement das Wasser nicht mehr auf dem Land gehalten wird sondern schnurstracks gen Ozean geführt wird (wo der Meeresspiegel stetig auch aufgrund dessen steigt).

https://www.theguardian.com/environment/2025/nov/29/climate-crisis-depleting-europe-groundwater-reserves-analysis
https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-der-sueden-europas-trocknet-aus-und-deutschland-zaehlt-noch-dazu-a-8d3204d0-3714-4500-b5c0-5744a1d356a9

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Stopfen (von Drainagen) gegen die Dürre

Stopfen (von Drainagen) gegen die Dürre

Ich beschäftige mich ja schon seit einigen Jahren mit dem Landschaftswasserhaushalt, und wie schlecht es um diesen gestellt ist. Ausführlich in unserem Buch „Aufbäumen gegen die Dürre“ dargestellt.

Eine Methode (von vielen) der Wahl für mehr Wasserretention ist die Blockierung oder Regelung von Drainagen. Denn dort fließt Wasser ab, was wir über die meiste Zeit des Jahres in der Fläche behalten wollen. Und da fließt auch – wie in diesem Artikel zu lesen – in trockenen Gegenden wie Brandenburg nach wochenlanger Trockenheit immer noch Wasser ab, wenn wir denken dass es da kein Wasser mehr gäbe.

Kein Wunder wenn die Pflanzen immer weniger zu trinken kriegen und die Grundwasserspiegel sinken…

PS: Ob eine Blockierung Sinn macht oder eher ein Regelungsschieber, oder überhaupt nichts hängt von der Situation ab. Ich will hier nicht grundsätzlich sprechen für die Blockierung von Drainagen. Ist ja auch ein sensibles und komplexes Thema.

https://taz.de/Wasserknappheit-in-Brandenburg/!6106031/

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Überschwemmungen und Dürren – Landnutzung, Bodenbewirtschaftung, und Landschaftshydrologie sind wichtigere Faktoren als der Temperaturanstieg

Überschwemmungen und Dürren – Landnutzung, Bodenbewirtschaftung, und Landschaftshydrologie sind wichtigere Faktoren als der Temperaturanstieg

Spannender Vortrag von Prof. Dr. Karl Auerswald unter dem kurzen Titel „Das Wasser in der Landschaft halten“, basierend auf einem beeindruckenden Paper „Floods and droughts – are land use, soil management, and landscape hydrology more significant drivers than increasing CO2„
Die wichtigsten Punkte – sorry, etwas länger geworden:
  • Frühere Landnutzungsänderungen – insbesondere Bodenversiegelung, Verdichtung und Entwässerung – sind vermutlich bedeutender für Wasserverluste durch Oberflächenabfluss, die zu Überschwemmungen und Wasserknappheit führen. Die Bedeutung dieser Prozesse wird in der Modellierung allgemein unzureichend berücksichtigt, da hydrologische Modelle selten laterale Flüsse in der Atmosphäre, an der Bodenoberfläche und im Boden darstellen.
  • Die angegebenen Werte zum Feuchtigkeitsrecycling sind, obwohl groß, stark nach unten verzerrt, da sie nur fallende Niederschläge (Schnee, Hagel und Regen) berücksichtigen, während sie okkulte Niederschläge (Tau, Nebel, Raureif) vernachlässigen, die häufig lokalen, rezyklierten Ursprungs sind (Kaseke et al., 2017). Okkulte Niederschläge können erheblich sein und mehrere Hundert Millimeter pro Jahr erreichen (Zimmermann & Zimmermann, 2002; Ingraham & Mark, 2000; Migała et al., 2002; Jacobs et al., 2006).
  • Der CO₂-getriebene Klimawandel beeinflusst die Nettostrahlungsbilanz (Rnl) in Gleichung 2, während die Landnutzung Einfluss auf Evapotranspiration (ET), Abfluss (Q), Speicheränderung (ΔS), Albedo (α) und Wärmeleitung (G) hat und somit sowohl Gleichung 1 als auch 2 betrifft. Der Albedo-Wert ist z. B. bei einer mit Stroh bedeckten Bodenoberfläche etwa 30 % höher als bei einem nackten Boden (Sharrett & Campbell, 1994). Eine Strohdecke würde es jedem Landwirt ermöglichen, Bodenfeuchtigkeit für Kulturpflanzen zu bewahren, da weniger Energie aus kurzwelliger Strahlung zur Verfügung stünde, um Evapotranspiration anzutreiben. Für Frankreich wurde geschätzt, dass während der europäischen Jahrhundert-Hitzewelle im August 2003 die landesweite Temperatur um 2 K niedriger gewesen wäre, hätten die Landwirte das Getreidestroh auf dem Boden belassen, statt es einzuarbeiten (Davin et al., 2014).
  • Weitere direkte Effekte einer Strohdecke wären: geringerer Wasserverlust durch Bodenverdunstung, geringerer kapillarer Aufstieg zur Verdunstungsoberfläche durch die physikalische Barriere, bessere Infiltration bei Starkregen aufgrund geringerer Oberflächenverkrustung, geringere Erosion und vermehrte Taubildung durch bessere Wärmeisolation in der Nacht.
  • Unter klimatischen Bedingungen Mitteleuropas führt der CO₂-getriebene Klimawandel somit hauptsächlich zu einer Intensivierung einzelner Regenereignisse. Dies verstärkt Überschwemmungen infolge von Oberflächenabfluss und Erosion – und danach Dürren, da das Wasser nicht im Boden gespeichert wird. Langfristig wird die Speicherfähigkeit des Bodens durch Erosion beeinträchtigt (siehe Abb. 3, linkes Panel). Dies reduziert die Evapotranspiration, was die Temperaturen steigen lässt. Die zunehmende Temperatur verstärkt die Dürre: ein Prozess, den Miralles et al. (2019) als „Selbst-Intensivierung von Ereignissen“ beschreiben. Wenn ausgetrocknete Gebiete stärker aufheizen als gut bewässerte Nachbarflächen, überträgt sich diese Hitze auf die benachbarten Regionen, erhöht dort die Verdunstung – bis auch diese Gebiete unter Wasserknappheit leiden. Dadurch wächst das Gebiet mit reduzierter Evapotranspiration und kann sich über ganze Kontinente ausbreiten („Selbst-Ausbreitung von Ereignissen“).
  • Die CO₂-bedingte Zunahme der Evapotranspiration aufgrund steigender Temperaturen kann Dürren nicht erklären, da die Evapotranspiration nur moderat um 2–3 % pro Kelvin Temperaturanstieg steigt (Roderick et al., 2014; Bürger et al., 2014). Ein Temperaturanstieg von 2 K würde also nur 5 % mehr Evapotranspiration bedeuten. Entsprechend zeigen hydrologische Modelle in den letzten Jahrzehnten keine Zunahme der Evapotranspiration (Baumeister et al., 2017).
  • Versiegelung, Verdichtung und Entwässerung führen ebenfalls zu schnellem Wasserabfluss, Überschwemmungen und geringerem Wassergehalt im Boden (Abb. 3, rechtes Panel). Dies verringert die Evapotranspiration und erhöht die Temperatur – mit nahezu identischen Effekten wie der CO₂-getriebene Klimawandel.
  • Der durch Versiegelung verursachte Niederschlagsverlust übersteigt sogar den, der durch den Klimawandel erwartet wird (vgl. Abb. 1). Versiegelte Flächen tragen kaum zur Verdunstung bei, sondern wandeln ihre Strahlungsenergie fast ausschließlich in fühlbare Wärme um (Oke, 1982). Etwa 6 % der mittleren Evapotranspiration von 528 mm pro Jahr (Baumeister et al., 2017) entsprechen einem Verlust von 32 mm Verdunstung pro Jahr. Die Energie, die nötig ist, um 1 mm Wasser zu verdampfen, könnte theoretisch die Atmosphäre über 1 m² Boden um 10 K auf eine Höhe von 200 m erwärmen. Ein Verlust von 32 mm Verdunstung könnte demnach 320 K Temperaturanstieg in dieser Luftsäule bewirken – ein theoretisches Extremszenario, das in der Realität durch das sogenannte „Oasen-Effekt“ (Oke, 1982) abgeschwächt wird, bei dem benachbarte nicht-versiegelte Flächen zusätzliche Verdunstung liefern. Die dabei entstehende zusätzliche Verdunstung kann bis zu 30 % täglich betragen, wenn Feuchtigkeit vorhanden ist, und sich über mehrere Kilometer ausbreiten (Drivas & Shair, 1974; McNaughton, 1976). Die advektive Energieübertragung kann bis zu 20 km reichen. Auf kürzeren Distanzen kann sie bis zu 90 % der gesamten Evapotranspiration ausmachen (Prueger et al., 1996). Dies bedeutet, dass landwirtschaftliche Flächen und Wälder zusätzliches Wasser zur Verfügung stellen müssen, um diese gesellschaftlich verursachte Verdunstungsnachfrage zu decken. Wie weit diese Energieübertragung in bewachsene Gebiete reicht, ist noch nicht ausreichend untersucht, aber der kühlende Effekt vegetierter Flächen kann bis zu 2 km in versiegelte Bereiche hineinreichen (Yan et al., 2018).
  • Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität können diesen zusätzlichen Verdunstungsbedarf insbesondere in trockenen Jahren nicht decken. Dies führt zu geringerer Evapotranspiration und höherer Lufttemperatur über diesen Böden. Die verbleibenden Gebiete müssen dann noch mehr Wärme kompensieren. Das Gebiet mit Wasserdefizit wächst – (erneut: Ereignis-Selbstausbreitung). Zugleich wird es wärmer, was den Effekt verstärkt. Eine Hitzewelle und Dürre können allein durch unterlassene Maßnahmen zur Kompensation versiegelungsbedingter Effekte entstehen.
  • Versiegelte Flächen behindern zudem die Grundwasserneubildung. Eine Versiegelung von 5 % reduziert die mittlere Grundwasserneubildung (206 mm/Jahr; Baumeister et al., 2017) um 12 mm/Jahr. Wenn angrenzende Flächen den Verdunstungsverlust kompensieren, sinkt auch dort die Grundwasserneubildung. Daraus ergibt sich ein potenzieller Verlust von 44 mm/Jahr bei 6 % Versiegelung – was 21 % weniger Grundwasserneubildung entspricht. Dies stimmt mit den sinkenden Grundwasserständen in vielen Aquiferen überein: Zwischen 2000 und 2020 verzeichneten rund 20 % der 1600 überwachten Aquifere in Bayern einen signifikanten Rückgang des Wasserstands, weitere 20 % einen leichten Rückgang (Bayer et al., 2022).
  • Während das natürliche Flussnetz in Bayern eine Gesamtlänge von ca. 100.000 km aufweist (LfU, 2024), beträgt die Länge öffentlicher Straßen 141.800 km (ByStMWBV, 2018) und landwirtschaftlicher Wege 200.000 km (Anonym, 2018). Gemäß Bauvorschriften (FGSV, 2021) sind Straßen in der Regel von Entwässerungsgräben begleitet, wodurch das künstliche Entwässerungsnetz drei- bis sechsmal so lang ist wie das natürliche.
  • Laut Tetzlaff et al. (2010) sind 23 % der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland künstlich drainiert. In Südbayern kann der Entwässerungsabfluss bis zu 500 mm/Jahr betragen (Wolters et al., 2023). Auch Wälder wurden entwässert – insbesondere durch forstwirtschaftliche Rückegassen, die quer zum Hang verlaufen und eine ungewollte Entwässerung auf breiter Fläche bewirken.
  • Ein weiterer Entwässerungsgrund ist das Absenken des Grundwasserspiegels. Die Radlast von Mähdreschern stieg von 1960 bis 2000 linear von 2 auf 7 Tonnen an (Keller et al., 2019). Eine Unterbodenverdichtung wird meist unvermeidlich, wenn die Radlast 3–5 t übersteigt. In den 1960er Jahren benötigten Pflanzenwurzeln 2–3 Wochen, um 50 cm Tiefe zu erreichen. Heute dauert dies über zwei Monate. Dadurch entnehmen Pflanzen ihr Wasser fast ausschließlich dem Oberboden – eine Situation, die meteorologischer Dürre gleicht, obwohl sie physiologischen Ursprungs ist. Dies kann zu Fehldeutungen über die Ursache von Dürren führen.
  • Verdichtung erhöht nicht nur das Dürre-Risiko, sondern behindert auch die Versickerung und begünstigt Staunässe (Hartmann et al., 2012). Der extreme Weizenertragseinbruch in Frankreich 2016, der den Verlust während der Jahrhundertdürre 2003 übertraf, war auf Sauerstoffmangel in einem kühlen, nassen Mai zurückzuführen – Bedingungen, die durch den Klimawandel häufiger auftreten werden. Verdichteter Unterboden führt zu Oberflächenabfluss bei Sättigung und damit zu Bodenerosion (Verbist et al., 2007).
  • Die positiven Effekte von Hecken auf Erträge sind seit Langem bekannt (Wendt, 1951) und vielfach belegt (Sudmeyer et al., 2007; Veste et al., 2020). Berechnungen zeigen, dass Hecken in Ostdeutschland die Evapotranspiration um fast 100 mm/Jahr auf eine Strecke von 25-facher Heckenhöhe senken können (Funk et al., 2022). So kann der Effekt zunehmender Niederschlagsvariabilität durch CO₂ kompensiert werden.
  • Versiegelung ist der massivste Eingriff in die Bodenfunktion – nicht nur in Städten (Stadtklimaeffekt), sondern auch in peri-urbanen und ländlichen Gebieten. Die fünf größten Städte Bayerns machen nur 10 % der versiegelten Fläche aus (Esch et al., 2007). Daher ist Handeln gegen Versiegelung dringend notwendig. Mögliche Maßnahmen: Entsiegelung (z. B. Parkplätze), Photovoltaik auf versiegelten Flächen (zur Ableitung der Strahlungsenergie), Begrünung (Dachbegrünung, Baumreihen). Auch Windreduktion ist möglich – etwa durch Agroforstsysteme, Hecken, Baumalleen. Besonders an vielbefahrenen Straßen sollten begleitende Hecken gepflanzt werden – wie es Napoleon schon vor 200 Jahren erkannte (Balmer, 2022).
  • Eine klimafreundliche Landnutzung ist möglich. Sie erfordert jedoch so umfassende Veränderungen, dass sie nicht allein durch Gesetze oder Förderprogramme umgesetzt werden kann. Stattdessen braucht es einen Paradigmenwechsel: Das alte Paradigma der Ernährungssicherung ist nun dem Ziel der Klimaanpassung untergeordnet. Das alte Effizienzparadigma ist überholt – denn Effizienz und Resilienz schließen sich gegenseitig aus.
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