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Warum wir beim Klimawandel (und den Folgen) zu oft nur in den Himmel schauen

Warum wir beim Klimawandel (und den Folgen) zu oft nur in den Himmel schauen

Über den Einfluss der schwindenden Vegetation und degradierter Böden auf den Wasserkreislauf – und damit auch auf den Energiekreislauf und den Kohlenstoffkreislauf – habe ich hier schon häufig geschrieben. Doch warum ist diese Sichtweise bis heute so wenig verbreitet?

Eine kurze Geschichte dazu. Sie hat sich tatsächlich so ereignet – vor etwa zwei Jahren in einem Gespräch mit einem bekannten Fernseh-Wettermoderator.

Eigentlich wollte ich von ihm wissen, wie er unsere Sicht auf die Rolle von Vegetation und Böden für den Wasser- und Energiekreislauf einschätzt. Kann er nachvollziehen, dass Pflanzen das Klima nicht nur lokal, sondern auch regional und global kühlen – und dass sie damit ein bisher weitgehend unterschätzter Teil der Lösung, aber auch des Problems der Klimakrise sind?

Doch wir kamen gar nicht so weit. Das Gespräch blieb beim gerade zurückliegenden Hochwasser in Südbayern im Juni 2024 hängen.

„Das ist der Klimawandel“, sagte er.

„Moment“, entgegnete ich. „Es macht doch einen erheblichen Unterschied, ob ein landwirtschaftlicher Boden nur zehn Liter Wasser pro Quadratmeter aufnehmen kann oder fünfzig Liter – oder sogar noch mehr, wie auf gut aufgebauten, regenerativ bewirtschafteten Böden. Solche Unterschiede messen wir tatsächlich. Viele Böden sind inzwischen so stark verdichtet und degradiert, dass sie Starkregen kaum noch aufnehmen können.“

„Nein“, antwortete er. „Das ist der Klimawandel. Ein Grad höhere Lufttemperatur bedeutet etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf in der Atmosphäre. Wenn wir während solcher Wetterlagen fünf Grad höhere Temperaturen haben, steckt entsprechend mehr Wasser und vor allem mehr Energie in diesen Ereignissen.“

Diese Erklärungen untermalt er mit Handbewegungen nach oben – in den Himmel.

„Ja“, sagte ich, „da stimme ich dir vollkommen zu. Aber macht es nicht zusätzlich einen Unterschied, ob das Wasser in der Landschaft gehalten wird oder möglichst schnell aus ihr verschwindet? Verdichtete Böden erzeugen Oberflächenabfluss. Drainagen, Gräben und Kanalisation beschleunigen den Abfluss zusätzlich. Der massive Verlust an Auen und Mooren. Die Begradigung von Bächen und Flüssen. Und rund acht bis zehn Prozent unserer Landschaft sind inzwischen versiegelt. Das Wasser fließt also auf direktem Weg Richtung Regensburg und Passau, anstatt zunächst im Boden und in der Landschaft gespeichert zu werden.“

Wir diskutierten noch einige Minuten hin und her. Schließlich sagte er: „Ja, stimmt. Da ist etwas dran.“

Dieses Gespräch hat mich lange beschäftigt.

Nicht, weil der Meteorologe unrecht hatte – im Gegenteil. Seine Aussagen zur Atmosphäre waren vollkommen richtig. Sondern weil mir bewusst wurde, wie stark wir alle durch unsere jeweilige Fachdisziplin geprägt sind.

Meteorologen schauen verständlicherweise vor allem in den Himmel. Bodenkundler schauen auf den Boden. Hydrologen auf Flüsse und Grundwasser. Agrarwissenschaftler auf die Felder. Jeder erkennt einen wichtigen Teil des Systems.

Doch das Klima entsteht nicht allein in der Atmosphäre. Es entsteht aus dem Zusammenspiel von Atmosphäre, Vegetation, Böden und Wasser.

Genau dieser Blick auf das Gesamtsystem fehlt bis heute häufig. Dabei sind die Zusammenhänge auf der Ebene des Wasserhaushalts oft erstaunlich einfach: Gesunde Böden speichern mehr Wasser. Mehr gespeichertes Wasser ermöglicht mehr Vegetation und damit mehr Verdunstung. Mehr Verdunstung entzieht der Umgebung Wärme, fördert Wolkenbildung und Niederschlag und stabilisiert regionale Klimasysteme.

Über diese weiterführenden Zusammenhänge – die klimakühlende Wirkung der Vegetation und die Rolle des kleinen Wasserkreislaufs, wie ich sie unter anderem in meinem UNEP-Artikel und im Buch „Aufbäumen gegen die Dürre(künftig „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten„) beschreibe – haben wir an diesem Tag gar nicht mehr gesprochen.

Ich ging nachdenklich weiter.

Nicht erschrocken über den Meteorologen.

Sondern darüber, wie selten wir die verschiedenen Puzzleteile zusammenfügen.

UNEP Paper: https://aufbauende-landwirtschaft.de/wp-content/uploads/2021/08/UNEP-Foresight-Brief-Mit-Vegetation-und-Boeden-die-kleinen-Wasserkreislaeufe-staerken-und-das-Klima-kuehlen.pdf
Buch: https://www.oekom.de/buch/aufbaeumen-gegen-die-duerre-9783987260209

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Mit Vegetation und Böden die kleinen Wasserkreisläufe stärken und das Klima kühlen

Mit Vegetation und Böden die kleinen Wasserkreisläufe stärken und das Klima kühlen

Es ist zwar schon eine Weile her dass ich dieses Paper für UNEP geschrieben habe, aber es bietet meiner Meinung nach immer noch eins der besten Überblickspapiere in diesem Bereich (2021 war es das Erste seiner Art mit den vielen wissenschaftlichen Backups und den großen Zusammenhänge die es aufzeigt). Wie hängen Landnutzungsänderungen (letzten Endes ja quasi immer „Zerstörungen“), der Wasser-, Energie- und Kohlenstoffkreislauf zusammen? Welchen Einfluß hat das Schwinden von Vegetation auf Boden, Wasser und Klima? Viel mehr als wir gemeinhin (und überraschenderweise in der Klimawissenschaft ebenso) denken.

Working with Plants, Soils and Water to Cool the Climate and Rehydrate Earth’s Landscapes

Gibt es in verschiedene Sprachen! Und inoffiziell (weil keine UN-Sprache auch in deutsch).

English (2.36 MB)
Arabic (3.58 MB)
Chinese (3.47 MB)
Russian (2.89 MB)
Spanish (2.89 MB)
French (1.78 MB)

 

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Reduzierter Verdunstung über den Kontinenten führt zu negativen atmosphärischen Rückkopplungen

Reduzierter Verdunstung über den Kontinenten führt zu negativen atmosphärischen Rückkopplungen

Spannende Modellierung, die sehr gut rein passt in das, was wir immer wieder erzählen – Vegetation kühlt das Klima, füttert die kleinen Wasserkreisläufe, fördert die Wolkenbildung, was wiederum die Temperaturen senkt, usw.: Kontinente als Schwammlandschaften versus Wüsten. Was passiert in der Folge klimatisch und atmosphärisch, wenn über den Kontinenten kein Wasser mehr für die Verdunstung zur Verfügung steht?

  • die Temperaturen steigen (aufgrund reduzierter Verdunstungskühle)
  • die Niederschläge nehmen ab (da die Verdunstung stark reduziert ist)
  • die kontinentale Wolkenbedeckung nimmt ab (aufgrund geringer Verdunstung)
  • dadurch erhitzt sich die Landoberfläche stärker
  • die Verweilzeit des atmosphärischen Wasserdampfs erhöht sich um etwa 50 Prozent (vermutlich weil zu wenig Wasser zur regelmässigen Wolkenbildung zur Verfügung steht?)

Der Abstract:

Wenn wir die Verdunstung unterdrücken, um einen wüstenähnlichen Planeten zu schaffen, stellen wir fest, dass die Temperaturen steigen und die Niederschläge im globalen Mittel abnehmen. In der DesertLand-Simulation stellen wir eine Zunahme des atmosphärischen Wasserdampfs sowohl über Land als auch über Ozean fest. Die Unterdrückung der Verdunstungskühlung über den Kontinenten reduziert die kontinentale Wolkenbedeckung, wodurch mehr Energie auf die Oberfläche gelangt und die statische Energie der Oberflächenfeuchtigkeit über Land zunimmt. Die Verweilzeit des atmosphärischen Wasserdampfs erhöht sich um etwa 50 Prozent. Atmosphärische Rückkopplungen wie Änderungen der Lufttemperaturen und der Wolkenbedeckung tragen zu größeren Änderungen des Energiehaushalts der terrestrischen Oberfläche bei als die direkte Wirkung der unterdrückten Verdunstung allein. Ohne die Wolkenrückkopplung erwärmt sich die Landoberfläche bei unterdrückter Landverdunstung immer noch, aber der gesamte atmosphärische Wasserdampf nimmt ab und die anomalen Luftzirkulationen über den Kontinenten sind viel flacher als in Simulationen mit Wolkenänderungen; das heißt, die Wolkenrückkopplung ändert das Vorzeichen der Wasserdampfreaktion. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, atmosphärische Rückkopplungen zu berücksichtigen, wenn man die Auswirkungen von Veränderungen der Landoberfläche auf das Klimasystem untersucht.

https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/acdbe1

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Online-Tagung »Klima-Landschaften« am 8.12.2021 – Zu den Zusammenhängen zwischen (Agrar-) Landschaften, Klima, Wasser und Boden

Online-Tagung »Klima-Landschaften« am 8.12.2021 – Zu den Zusammenhängen zwischen (Agrar-) Landschaften, Klima, Wasser und Boden

Ich möchte auf eine Online-Tagung aufmerksam machen, die am 8.12.2021 statt findet, die ich organisiere, die zum einen stark mit meinem/unserem Thema einer Ressourcen aufbauenden Landwirtschaft, zum anderen mit Themen wie Klimawandel, Trockenheit und Hochwässern, verbunden ist: Die Zusammenhänge zwischen (Agrar-) Landschaften, Klima, Wasser und Boden.

Für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen habe ich diese Publikation mit dem Titel »Working with plants, soils and water to cool the climate and rehydrate Earth’s landscapes« (hier der Artikel auf deutsch, hier eine Präsentation von mir dazu) geschrieben. So wie es aussieht, steht uns in der Klima- wie auch Land(wirt)schaftsdiskussion ein ziemlich spannendes Werkzeug mit vielfältigen Vorteilen zur Verfügung: Mehr Vegetation (v.a. in der Landwirtschaft; durch Untersaaten, Zwischenfrüchte, Agroforstwirtschaft, aber auch durch eine andere Form von Tierhaltung, Waldumbau, Wasserretention) heisst mehr fruchtbare Böden, mehr Wasserspeicherkapazität und Infiltration, mehr Nährstoffe, mehr Lebensraum für Insekten & Co, mehr … und v.a. eine Kühlung (der bodennahen Schichten), Wärmeverlust in den Weltall, mehr Wolken mit mehr Niederschlag und mehr Sonnenlichtreflexion, was wiederum zur Kühlung des Klimas beiträgt, wie auch die kleinen (geschwächten) Wasserkreisläufe aktiviert.

Kurz gesagt: Wir könn(t)en mit der Natur arbeiten, um das Klima zu kühlen, die kleinen Wasserkreisläufe zu stärken und dabei die Land-, Forst- und Wasserwirtschaft resilienter und fruchtbarer zu machen.

Die Tagung soll helfen, solche Zusammenhänge zu verstehen und einzuordnen. Wir wollen festhalten, wo Forschungsbedarf besteht und die Akteure ermuntern, wo Handlungsbedarf sichtbar wird. Deshalb sind sowohl Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen als auch Politiker*innen eingeladen. In einem offenen Teil wollen wir besprechen, was es an Wissen heute schon gibt. In einem (aus praktischen Gründen) auf eine kleinere Personenzahl begrenzten Teil wollen wir in Arbeitsgruppen den Handlungsbedarf definieren. 

Mehr Information und die Anmeldung finden sich unter http://klima-landschaften.de
Posted by Stefan in Klimaveränderung, Konsum, Landwirtschaft, Natur, Präsentation, Seminar, Tiere, Wirtschaft, 1 comment