wasserkreislauf

Mehr Tau – mehr Ertrag? Ein unterschätzter Vorteil regenerativer Landwirtschaft

Mehr Tau – mehr Ertrag? Ein unterschätzter Vorteil regenerativer Landwirtschaft

Wenn wir über Wasserversorgung sprechen, denken wir fast immer an Regen. Doch auch der Tau kann eine wichtige Rolle spielen – insbesondere in Zeiten zunehmender Trockenheit. Die Wassermenge ist zwar klein, ihre Wirkung auf die Pflanzen kann jedoch erstaunlich groß sein.

Regenerative Maßnahmen wie Mischkulturen, Untersaaten, Zwischenfrüchte, Hecken und Agroforstsysteme fördern die Taubildung gleich mehrfach: Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit im Bestand, reduzieren Wind, kühlen die Vegetation in der Nacht und vergrößern die Blattoberfläche, auf der Wasser kondensieren kann. Für landwirtschaftliche Standorte in Deutschland weisen Messungen häufig auf Größenordnungen von etwa 20 bis 60 Litern pro Quadratmeter und Jahr hin – das entspricht 200.000 bis 600.000 Litern je Hektar.

Die Vorteile für den landwirtschaftlichen Betrieb sind vielfältig:

  • Längere Photosynthese am Morgen: Feuchte Blätter und eine höhere Luftfeuchtigkeit verzögern Trockenstress. Die Pflanzen können früher und länger mit der Photosynthese beginnen.
  • Weniger Wasserstress: Tau ersetzt zwar keinen Regen, entlastet die Pflanzen aber genau in den ersten Stunden des Tages, wenn sie besonders effizient wachsen.
  • Geringere Transpiration: Eine feuchte Blattoberfläche und ein höherer Feuchtegehalt der Luft verringern den Wasserverlust über die Spaltöffnungen.
  • Kühlere Bestände: Tau entzieht der Umgebung beim Verdunsten Wärme. Zusammen mit der Beschattung durch Hecken oder Agroforst entstehen kühlere Mikroklimate.
  • Längere Bodenbedeckung: Untersaaten und Zwischenfrüchte halten den Boden über viele zusätzliche Monate grün und aktiv. Dadurch wird nicht nur mehr Kohlenstoff gebunden, sondern auch häufiger Tau gebildet.
  • Mehr biologische Aktivität: Feuchtigkeit auf Pflanzen und Boden schafft bessere Bedingungen für Bodenorganismen und unterstützt den kontinuierlichen Stoffaustausch zwischen Pflanzen und Bodenleben.
  • Höhere Resilienz gegenüber Trockenperioden: Viele kleine Feuchtigkeitsimpulse können dazu beitragen, dass Pflanzen Trockenphasen besser überstehen und ihre Wachstumsleistung länger aufrechterhalten.

Besonders interessant ist der Zusammenhang: Je mehr lebende Vegetation eine Landschaft besitzt, desto günstiger wird häufig auch ihr Mikroklima. Mehr Blattfläche fördert die Taubildung, Tau verbessert den Wasserhaushalt der Pflanzen, und vitalere Pflanzen erzeugen wiederum mehr Blattmasse und Verdunstung. So entsteht ein positiver Kreislauf, der die Widerstandsfähigkeit des gesamten Systems stärkt.

Tau wird die Wasserversorgung eines Ackers niemals ersetzen. Doch gerade in einer Landwirtschaft, die auf möglichst viele grüne Tage im Jahr setzt, kann er zu einem wichtigen Baustein eines stabileren Landschaftswasserhaushalts werden. Oft sind es nicht einzelne große Maßnahmen, sondern viele kleine Prozesse, die zusammen den Unterschied zwischen Trockenstress und resilienten Beständen ausmachen.

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Warum wir beim Klimawandel (und den Folgen) zu oft nur in den Himmel schauen

Warum wir beim Klimawandel (und den Folgen) zu oft nur in den Himmel schauen

Über den Einfluss der schwindenden Vegetation und degradierter Böden auf den Wasserkreislauf – und damit auch auf den Energiekreislauf und den Kohlenstoffkreislauf – habe ich hier schon häufig geschrieben. Doch warum ist diese Sichtweise bis heute so wenig verbreitet?

Eine kurze Geschichte dazu. Sie hat sich tatsächlich so ereignet – vor etwa zwei Jahren in einem Gespräch mit einem bekannten Fernseh-Wettermoderator.

Eigentlich wollte ich von ihm wissen, wie er unsere Sicht auf die Rolle von Vegetation und Böden für den Wasser- und Energiekreislauf einschätzt. Kann er nachvollziehen, dass Pflanzen das Klima nicht nur lokal, sondern auch regional und global kühlen – und dass sie damit ein bisher weitgehend unterschätzter Teil der Lösung, aber auch des Problems der Klimakrise sind?

Doch wir kamen gar nicht so weit. Das Gespräch blieb beim gerade zurückliegenden Hochwasser in Südbayern im Juni 2024 hängen.

„Das ist der Klimawandel“, sagte er.

„Moment“, entgegnete ich. „Es macht doch einen erheblichen Unterschied, ob ein landwirtschaftlicher Boden nur zehn Liter Wasser pro Quadratmeter aufnehmen kann oder fünfzig Liter – oder sogar noch mehr, wie auf gut aufgebauten, regenerativ bewirtschafteten Böden. Solche Unterschiede messen wir tatsächlich. Viele Böden sind inzwischen so stark verdichtet und degradiert, dass sie Starkregen kaum noch aufnehmen können.“

„Nein“, antwortete er. „Das ist der Klimawandel. Ein Grad höhere Lufttemperatur bedeutet etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf in der Atmosphäre. Wenn wir während solcher Wetterlagen fünf Grad höhere Temperaturen haben, steckt entsprechend mehr Wasser und vor allem mehr Energie in diesen Ereignissen.“

Diese Erklärungen untermalt er mit Handbewegungen nach oben – in den Himmel.

„Ja“, sagte ich, „da stimme ich dir vollkommen zu. Aber macht es nicht zusätzlich einen Unterschied, ob das Wasser in der Landschaft gehalten wird oder möglichst schnell aus ihr verschwindet? Verdichtete Böden erzeugen Oberflächenabfluss. Drainagen, Gräben und Kanalisation beschleunigen den Abfluss zusätzlich. Der massive Verlust an Auen und Mooren. Die Begradigung von Bächen und Flüssen. Und rund acht bis zehn Prozent unserer Landschaft sind inzwischen versiegelt. Das Wasser fließt also auf direktem Weg Richtung Regensburg und Passau, anstatt zunächst im Boden und in der Landschaft gespeichert zu werden.“

Wir diskutierten noch einige Minuten hin und her. Schließlich sagte er: „Ja, stimmt. Da ist etwas dran.“

Dieses Gespräch hat mich lange beschäftigt.

Nicht, weil der Meteorologe unrecht hatte – im Gegenteil. Seine Aussagen zur Atmosphäre waren vollkommen richtig. Sondern weil mir bewusst wurde, wie stark wir alle durch unsere jeweilige Fachdisziplin geprägt sind.

Meteorologen schauen verständlicherweise vor allem in den Himmel. Bodenkundler schauen auf den Boden. Hydrologen auf Flüsse und Grundwasser. Agrarwissenschaftler auf die Felder. Jeder erkennt einen wichtigen Teil des Systems.

Doch das Klima entsteht nicht allein in der Atmosphäre. Es entsteht aus dem Zusammenspiel von Atmosphäre, Vegetation, Böden und Wasser.

Genau dieser Blick auf das Gesamtsystem fehlt bis heute häufig. Dabei sind die Zusammenhänge auf der Ebene des Wasserhaushalts oft erstaunlich einfach: Gesunde Böden speichern mehr Wasser. Mehr gespeichertes Wasser ermöglicht mehr Vegetation und damit mehr Verdunstung. Mehr Verdunstung entzieht der Umgebung Wärme, fördert Wolkenbildung und Niederschlag und stabilisiert regionale Klimasysteme.

Über diese weiterführenden Zusammenhänge – die klimakühlende Wirkung der Vegetation und die Rolle des kleinen Wasserkreislaufs, wie ich sie unter anderem in meinem UNEP-Artikel und im Buch „Aufbäumen gegen die Dürre(künftig „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten„) beschreibe – haben wir an diesem Tag gar nicht mehr gesprochen.

Ich ging nachdenklich weiter.

Nicht erschrocken über den Meteorologen.

Sondern darüber, wie selten wir die verschiedenen Puzzleteile zusammenfügen.

UNEP Paper: https://aufbauende-landwirtschaft.de/wp-content/uploads/2021/08/UNEP-Foresight-Brief-Mit-Vegetation-und-Boeden-die-kleinen-Wasserkreislaeufe-staerken-und-das-Klima-kuehlen.pdf
Buch: https://www.oekom.de/buch/aufbaeumen-gegen-die-duerre-9783987260209

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Mit Vegetation und Böden die kleinen Wasserkreisläufe stärken und das Klima kühlen

Mit Vegetation und Böden die kleinen Wasserkreisläufe stärken und das Klima kühlen

Es ist zwar schon eine Weile her dass ich dieses Paper für UNEP geschrieben habe, aber es bietet meiner Meinung nach immer noch eins der besten Überblickspapiere in diesem Bereich (2021 war es das Erste seiner Art mit den vielen wissenschaftlichen Backups und den großen Zusammenhänge die es aufzeigt). Wie hängen Landnutzungsänderungen (letzten Endes ja quasi immer „Zerstörungen“), der Wasser-, Energie- und Kohlenstoffkreislauf zusammen? Welchen Einfluß hat das Schwinden von Vegetation auf Boden, Wasser und Klima? Viel mehr als wir gemeinhin (und überraschenderweise in der Klimawissenschaft ebenso) denken.

Working with Plants, Soils and Water to Cool the Climate and Rehydrate Earth’s Landscapes

Gibt es in verschiedene Sprachen! Und inoffiziell (weil keine UN-Sprache auch in deutsch).

English (2.36 MB)
Arabic (3.58 MB)
Chinese (3.47 MB)
Russian (2.89 MB)
Spanish (2.89 MB)
French (1.78 MB)

 

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Wenn Landschaften austrocknen – wie wir den kleinen Wasserkreislauf schwächen

Wenn Landschaften austrocknen – wie wir den kleinen Wasserkreislauf schwächen

Die Erdgeschichte zeigt, wie Pflanzen den kontinentalen Wasserkreislauf aufgebaut haben (siehe vorangegangen Post). Heute erleben wir vielerorts den umgekehrten Prozess: Wälder werden gerodet, Hecken verschwinden, Moore werden entwässert, Flüsse begradigt und Böden durch intensive Nutzung verdichtet und degradiert. Damit verliert die Landschaft nach und nach ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern und wieder an die Atmosphäre abzugeben.

Regen fließt immer häufiger oberflächlich ab, statt im Boden zu versickern. Auen und Moore, die früher wie natürliche Schwämme wirkten, wurden trockengelegt. Begradigte Flüsse transportieren Wasser möglichst schnell aus der Landschaft, Drainagen entwässern Felder, und versiegelte Flächen verhindern nahezu jede Versickerung. Gleichzeitig verlieren degradierte Böden ihre lockere Struktur und damit ihre Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und über längere Zeit zu speichern.

Die Folgen reichen weit über den Boden hinaus. Fehlt Wasser in der Landschaft, verdunsten Pflanzen deutlich weniger. Statt einen großen Teil der Sonnenenergie für die Verdunstung – und damit für Kühlung – zu nutzen, heizen sich trockene Böden und kahle Äcker stark auf. Es entstehen große Flächen heißer Luft, die sich deutlich anders verhalten als die kühle, feuchte Luft über Wäldern, Feuchtgebieten oder artenreichen Wiesen.

Dadurch wird nicht nur die Landschaft wärmer. Auch der kleine Wasserkreislauf gerät ins Stocken. Es gelangt weniger Wasserdampf in die Atmosphäre, Wolken bilden sich seltener, und feuchte Luftmassen verlieren auf ihrem Weg ins Landesinnere zunehmend ihre Wasserreserven. Zahlreiche Studien zeigen inzwischen, dass großräumige Landdegradation regional zu geringeren Niederschlägen und längeren Trockenzeiten beitragen kann – besonders dort, wo bereits große Flächen von Entwaldung oder intensiver Landnutzung betroffen sind.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Wälder und andere naturnahe Vegetation geben biogene Stoffe an die Atmosphäre ab, aus denen sich Aerosole bilden können. Diese dienen als Kondensationskeime für Wolken. Mit dem Verlust der Vegetation geht deshalb nicht nur Wasserdampf verloren, sondern auch ein wichtiger Baustein für die Wolken- und Niederschlagsbildung.

Der Teufelskreis ist offensichtlich: Weniger Vegetation führt zu weniger Verdunstung, mehr Aufheizung, trockeneren Böden und häufig noch weniger Niederschlag. Aus einem ehemals kühlenden, wasserreichen Landschaftssystem wird Schritt für Schritt eine heiße und trockene Landschaft.

Die gute Nachricht ist: Dieser Prozess lässt sich umkehren. Mehr Bäume, Hecken und vielfältige Vegetation, gesunde Böden, wiedervernässte Moore, naturnahe Flüsse und Auen sowie eine regenerative Landwirtschaft stärken den Wasserrückhalt und den kleinen Wasserkreislauf. So kann die Landschaft wieder mehr Wasser speichern, sich selbst kühlen und einen Teil des Regens mit erzeugen. Klimaschutz beginnt deshalb nicht erst in der Atmosphäre – sondern auf unseren Böden und in unseren Landschaften.

Siehe dazu unser Buch „Aufbäumen gegen die Dürre“.

Ersten Teil hier lesen: https://aufbauende-landwirtschaft.de/wenn-pflanzen-regen-machen-was-die-erdgeschichte-ueber-unseren-heutigen-wasserkreislauf-erzaehlt

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Wenn Pflanzen Regen machen: Was die Erdgeschichte über unseren heutigen Wasserkreislauf erzählt

Wenn Pflanzen Regen machen: Was die Erdgeschichte über unseren heutigen Wasserkreislauf erzählt

Die Erdgeschichte zeigt eindrucksvoll: Vegetation ist weniger Folge eines feuchten Klimas, sondern selbst ein zentraler Motor des Wasserkreislaufs. Bevor Pflanzen vor rund 470–450 Millionen Jahren die Kontinente besiedelten, waren Landflächen weitgehend kahl. Es gab kaum Böden, wenig Wasserspeicherung, fast keine Transpiration – und damit auch nur schwache kontinentale Wasserkreisläufe. Niederschläge stammten vor allem direkt aus dem Meer und fielen bevorzugt in Küstennähe oder an Gebirgen. Einmal abgeregnet, nahm das Wasser auf dem Land den schnellsten Weg wieder zurück ins Meer.

Mit der Ausbreitung der Landpflanzen änderte sich das grundlegend. Pflanzen schufen Böden, erhöhten die Infiltration, speicherten Wasser und gaben es über Transpiration wieder an die Atmosphäre ab. Dadurch konnte Niederschlag über Land mehrfach „recycelt“ werden. Feuchte Luftmassen gelangten, parallel zur Ausbreitung der Vegetation, immer weiter ins Landesinnere, und stabile Niederschlagskreisläufe entstanden dort, wo zuvor nur ein schwacher Wasserumsatz möglich war.

Besonders wichtig ist dabei das Niederschlagsrecycling. Je weiter Luftmassen ins Landesinnere wandern, desto größer wird der Anteil des Regens, der nicht mehr direkt aus dem Meer stammt, sondern aus vorheriger Verdunstung über Land. In großen Kontinentalräumen können deutlich über 50 Prozent des Niederschlags aus dieser Landverdunstung stammen. Landschaften erzeugen also einen erheblichen Teil ihres Regens selbst mit.

Damit wird Landdegradation zu einem Klimafaktor. Nicht überall gleich stark und nicht allein, aber regional und kontinental durchaus bedeutsam. Besonders deutlich zeigt sich das in Amazonien, wo Entwaldung bereits heute mit Rückgängen der Niederschläge, längeren Trockenzeiten und höheren Temperaturen verbunden wird. Für Europa und Mitteleuropa sind die Zusammenhänge komplexer, aber auch hier gilt: Vegetation, Bodenfeuchte und Verdunstung beeinflussen Hitze, Wolkenbildung und Niederschläge.

Ein zusätzlicher Aspekt verstärkt diese Sichtweise: Vegetation liefert nicht nur Wasserdampf, sondern auch Bedingungen für Wolkenbildung. Wälder geben biogene flüchtige organische Verbindungen ab, aus denen Aerosole entstehen können. Diese wirken als Kondensationskeime für Wolken. Zusammen mit Verdunstung, Kühlung und der raueren Oberfläche von Wäldern schafft Vegetation also gleich mehrfach günstige Voraussetzungen für Regen.

Die zentrale Botschaft lautet daher: Pflanzen sind nicht nur grün, sie sind klimaaktiv. Sie kühlen, speichern, verdunsten, recyceln Wasser und helfen, Wolken und Niederschläge entstehen zu lassen. Wer Landschaften degradiert, schwächt nicht nur Böden und Biodiversität, sondern greift in den Wasserkreislauf selbst ein. Und wer Böden, Wälder, Hecken, Feuchtgebiete und vielfältige Vegetation wieder aufbaut, stärkt damit auch die Fähigkeit einer Landschaft, Wasser zu halten – und Regen wieder wahrscheinlicher zu machen.

Zweiten Teil hier weiter lesen: https://aufbauende-landwirtschaft.de/wenn-landschaften-austrocknen-wie-wir-den-kleinen-wasserkreislauf-schwaechen

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Spannende Merksätze für den kleinen Wasserkreislauf

Spannende Merksätze für den kleinen Wasserkreislauf

• „Die Hälfte des Niederschlags auf dem Land stammt vom Land selbst.“
• „Ohne Verdunstung – kein Regen. Vegetation speist den Wasserkreislauf.“
• „70 % der Verdunstung auf dem Land gehen auf das Konto der Vegetation.“
• „Wo Pflanzen wachsen, regnet es häufiger.“
• „Wasser, das verdunstet, ist eine Investition in den nächsten Regen.“
• „Waldgebiete sind Regenmacher – kein Wald, kein Wasser.“
• „Vegetation ist Klimaanlage und Wasserpumpe zugleich.“
• „Blätter sind Verdunstungskühler für die Erde.“
• „Grünflächen kühlen, versiegelte Flächen heizen.“
• „Verdunstung kostet Energie – und senkt die Temperatur.“
• „Mehr Pflanzen = mehr Kühlung = mehr Regen.“
• „Landwirtschaft kann Klima schützen – wenn sie Wasser hält und Verdunstung fördert.“
• „Mit Vegetation, Bodenleben und Wasserretention lässt sich das Klima lokal beeinflussen.“
• „Regenerative Landwirtschaft ist aktiver Klimaschutz durch Wasserkreisläufe.“
• „Nicht CO₂ allein – auch Wasserflüsse bestimmen unser Klima.“

Siehe dazu auch mein UNEP-Artikel „Working with plants, soils and water to cool the climate and rehydrate Earth’s landscapes“ und unser Buch „Aufbäumen gegen die Dürre“.

https://bit.ly/3zeukPb
https://www.oekom.de/buch/aufbaeumen-gegen-die-duerre-9783987260209

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Wissenschaftler entdecken, dass sich Wasser schneller durch Pflanzen bewegt als je gedacht

Wissenschaftler entdecken, dass sich Wasser schneller durch Pflanzen bewegt als je gedacht

Sehr interessant: „Die Studie zeigt, dass die Vegetation der Erde etwa 786 Kubikkilometer Wasser enthält – nur 0,002 % des gesamten Süßwasservorrats des Planeten. Außerdem zeigt die Studie, dass die Zeit, die das Wasser braucht, um sich durch die Pflanzen zu bewegen, bekannt als Transit- oder Umsatzzeit, einer der schnellsten Prozesse im globalen Wasserkreislauf ist. Diese Zeitspanne reicht von nur fünf Tagen in Ackerland bis zu 18 Tagen in immergrünen Nadelwäldern.

Der Transit von Wasser durch Pflanzen ist in Ackerland, Grasland und Savannen besonders schnell. Die Ergebnisse unterstreichen die dynamische Rolle der Vegetation im Wasserkreislauf. Im Vergleich zum globalen Jahresmittelwert von 8,1 Tagen, den das Wasser für die Durchquerung der Pflanzen vom Eintritt bis zum Austritt benötigt, braucht das Wasser in Seen schätzungsweise 17 Jahre und das Wasser in Gletschern schätzungsweise 1600 Jahre.

… die Durchgangszeit des Wassers durch die Atmosphäre (etwa 8-10 Tage) und die Durchgangszeit des Wassers durch den Boden, bevor es von den Pflanzen aufgenommen wird (etwa 60 bis 90 Tage)“

https://scitechdaily.com/water-moves-through-plants-faster-than-ever-imagined-scientists-discover/
https://www.nature.com/articles/s44221-024-00365-9

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Reduzierter Verdunstung über den Kontinenten führt zu negativen atmosphärischen Rückkopplungen

Reduzierter Verdunstung über den Kontinenten führt zu negativen atmosphärischen Rückkopplungen

Spannende Modellierung, die sehr gut rein passt in das, was wir immer wieder erzählen – Vegetation kühlt das Klima, füttert die kleinen Wasserkreisläufe, fördert die Wolkenbildung, was wiederum die Temperaturen senkt, usw.: Kontinente als Schwammlandschaften versus Wüsten. Was passiert in der Folge klimatisch und atmosphärisch, wenn über den Kontinenten kein Wasser mehr für die Verdunstung zur Verfügung steht?

  • die Temperaturen steigen (aufgrund reduzierter Verdunstungskühle)
  • die Niederschläge nehmen ab (da die Verdunstung stark reduziert ist)
  • die kontinentale Wolkenbedeckung nimmt ab (aufgrund geringer Verdunstung)
  • dadurch erhitzt sich die Landoberfläche stärker
  • die Verweilzeit des atmosphärischen Wasserdampfs erhöht sich um etwa 50 Prozent (vermutlich weil zu wenig Wasser zur regelmässigen Wolkenbildung zur Verfügung steht?)

Der Abstract:

Wenn wir die Verdunstung unterdrücken, um einen wüstenähnlichen Planeten zu schaffen, stellen wir fest, dass die Temperaturen steigen und die Niederschläge im globalen Mittel abnehmen. In der DesertLand-Simulation stellen wir eine Zunahme des atmosphärischen Wasserdampfs sowohl über Land als auch über Ozean fest. Die Unterdrückung der Verdunstungskühlung über den Kontinenten reduziert die kontinentale Wolkenbedeckung, wodurch mehr Energie auf die Oberfläche gelangt und die statische Energie der Oberflächenfeuchtigkeit über Land zunimmt. Die Verweilzeit des atmosphärischen Wasserdampfs erhöht sich um etwa 50 Prozent. Atmosphärische Rückkopplungen wie Änderungen der Lufttemperaturen und der Wolkenbedeckung tragen zu größeren Änderungen des Energiehaushalts der terrestrischen Oberfläche bei als die direkte Wirkung der unterdrückten Verdunstung allein. Ohne die Wolkenrückkopplung erwärmt sich die Landoberfläche bei unterdrückter Landverdunstung immer noch, aber der gesamte atmosphärische Wasserdampf nimmt ab und die anomalen Luftzirkulationen über den Kontinenten sind viel flacher als in Simulationen mit Wolkenänderungen; das heißt, die Wolkenrückkopplung ändert das Vorzeichen der Wasserdampfreaktion. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, atmosphärische Rückkopplungen zu berücksichtigen, wenn man die Auswirkungen von Veränderungen der Landoberfläche auf das Klimasystem untersucht.

https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/acdbe1

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Wissenschaftler beweisen einen klaren Zusammenhang zwischen der Abholzung der Wälder und dem lokalen Rückgang der Niederschläge

Wissenschaftler beweisen einen klaren Zusammenhang zwischen der Abholzung der Wälder und dem lokalen Rückgang der Niederschläge

Sehr wichtiger Artikel zum Zusammenhang zwischen Entwaldung, Evapotranspiration und Niederschlag. Auch wichtig für die Landwirtschaft. Zwar spielt der Wald im Wasserkreislauf eine bedeutendere Rolle, aber auch der ständig mit Kulturen – inklusive Untersaaten und Zwischenfrüchten – bedeckte Boden, mit Agroforst kombiniert, ist von Bedeutung in diesem Sinne.

Sogar in kleinem Maßstab stellten sie Auswirkungen fest, der Rückgang wurde jedoch deutlicher, wenn das betroffene Gebiet größer als 50 Quadratkilometer (2.500 Quadratkilometer) war. Auf der größten gemessenen Skala von 200 Quadratkilometern (40.000 Quadratkilometern) ergab die Studie, dass die Niederschläge jeden Monat um 0,25 Prozentpunkte geringer ausfielen, je 1 Prozentpunkt Waldverlust.

Dies kann in einen Teufelskreis geraten, da eine Verringerung der Niederschläge zu weiterem Waldverlust, erhöhter Brandanfälligkeit und einer geringeren CO2-Entnahme führt.

Einer der Autoren, Prof. Dominick Spracklen von der University of Leeds, sagte, dass 25 bis 50 % des Regens, der im Amazonasgebiet fiel, aus der Niederschlagsverwertung durch die Bäume stammte. Obwohl der Wald manchmal als „Lunge der Welt“ bezeichnet wird, funktioniert er weitaus mehr wie ein Herz, das Wasser durch die Region pumpt.

Er sagte, die lokalen Auswirkungen dieses reduzierten Wasserrecyclings seien für Regierungen und Unternehmen im globalen Süden weitaus offensichtlicher, unmittelbarer und überzeugender als Argumente über die Kohlenstoffbindung, die den Industrieländern der nördlichen Hemisphäre mehr Vorteile versprach.

Eine Präsentation von mir mit dem Titel „Wasser pflanzen“ zeigt diese Zusammenhänge, wie auch meine UNEP-Publikation „Wasser pflanzen. Mit Vegetation und Böden die kleinen Wasserkreisläufe stärken und das Klima kühlen„. Wie auch unser Buch „Aufbäumen gegen die Dürre„.

https://www.theguardian.com/environment/2023/mar/01/scientists-prove-clear-correlation-between-deforestation-and-rainfall-levels

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70°C auf dem Boden

70°C auf dem Boden

Wow, 70°C auf dem Boden (bei 38°C Lufttemperatur). Krasse Nummer. Gefräster Boden. Im Vergleich dazu der lückige Klee direkt daneben 33°C kühler!

Bin ich ja versucht auszurufen: If you want to cool the planet, cover the soil!

Mehr zu den Hintergründen des Einflusses von Landnutzung auf Klima und Wasserzyklus in meinem UNEP Paper (deutsch hier), Präsentation, Konferenz Klima-Landschaften, Konferenz Climate Landscapes.

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Online-Tagung »Klima-Landschaften« am 8.12.2021 – Zu den Zusammenhängen zwischen (Agrar-) Landschaften, Klima, Wasser und Boden

Online-Tagung »Klima-Landschaften« am 8.12.2021 – Zu den Zusammenhängen zwischen (Agrar-) Landschaften, Klima, Wasser und Boden

Ich möchte auf eine Online-Tagung aufmerksam machen, die am 8.12.2021 statt findet, die ich organisiere, die zum einen stark mit meinem/unserem Thema einer Ressourcen aufbauenden Landwirtschaft, zum anderen mit Themen wie Klimawandel, Trockenheit und Hochwässern, verbunden ist: Die Zusammenhänge zwischen (Agrar-) Landschaften, Klima, Wasser und Boden.

Für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen habe ich diese Publikation mit dem Titel »Working with plants, soils and water to cool the climate and rehydrate Earth’s landscapes« (hier der Artikel auf deutsch, hier eine Präsentation von mir dazu) geschrieben. So wie es aussieht, steht uns in der Klima- wie auch Land(wirt)schaftsdiskussion ein ziemlich spannendes Werkzeug mit vielfältigen Vorteilen zur Verfügung: Mehr Vegetation (v.a. in der Landwirtschaft; durch Untersaaten, Zwischenfrüchte, Agroforstwirtschaft, aber auch durch eine andere Form von Tierhaltung, Waldumbau, Wasserretention) heisst mehr fruchtbare Böden, mehr Wasserspeicherkapazität und Infiltration, mehr Nährstoffe, mehr Lebensraum für Insekten & Co, mehr … und v.a. eine Kühlung (der bodennahen Schichten), Wärmeverlust in den Weltall, mehr Wolken mit mehr Niederschlag und mehr Sonnenlichtreflexion, was wiederum zur Kühlung des Klimas beiträgt, wie auch die kleinen (geschwächten) Wasserkreisläufe aktiviert.

Kurz gesagt: Wir könn(t)en mit der Natur arbeiten, um das Klima zu kühlen, die kleinen Wasserkreisläufe zu stärken und dabei die Land-, Forst- und Wasserwirtschaft resilienter und fruchtbarer zu machen.

Die Tagung soll helfen, solche Zusammenhänge zu verstehen und einzuordnen. Wir wollen festhalten, wo Forschungsbedarf besteht und die Akteure ermuntern, wo Handlungsbedarf sichtbar wird. Deshalb sind sowohl Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen als auch Politiker*innen eingeladen. In einem offenen Teil wollen wir besprechen, was es an Wissen heute schon gibt. In einem (aus praktischen Gründen) auf eine kleinere Personenzahl begrenzten Teil wollen wir in Arbeitsgruppen den Handlungsbedarf definieren. 

Mehr Information und die Anmeldung finden sich unter http://klima-landschaften.de
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Peter Wohlleben zu den »Fliegenden Flüssen«

Peter Wohlleben zu den »Fliegenden Flüssen«

Auch Peter Wohlleben sieht die Zusammenhänge zwischen Bäumen/Wald und Regen: In diesem kurzen Beitrag erklärt er die »fliegenden Flüsse«, die aus dem Amazonas bekannt sind, aber auch mittlerweile weltweit erkannt werden. Vegetation, Bäume, Wälder sind die wichtigsten Quellen von Wasser/Wasserdampf, der immer wieder neu in die Luft steigt und dann woanders als Niederschlag wieder herunter kommt.

Posted by Stefan in Klimaveränderung, Landwirtschaft, Natur, 0 comments
Präsentation: Wasser pflanzen. Mit Vegetation das Klima kühlen. Stefan Schwarzer

Präsentation: Wasser pflanzen. Mit Vegetation das Klima kühlen. Stefan Schwarzer

Da mein Artikel für UNEP jetzt endlich veröffentlicht wurde, hier auch noch mal der Hinweis auf den entsprechenden Vortrag von mir:

Meine Präsentation zum Thema »Mit Vegetation das Klima kühlen«: So wie es aussieht, steht uns in der Klima- wie auch Landwirtschaftsdiskussion ein ziemlich spannendes Werkzeug zur Verfügung mit vielfältigen Vorteilen: mehr Vegetation (v.a. in der Landwirtschaft; durch Untersaaten, Zwischenfrüchte, Agroforstwirtschaft, aber auch durch eine andere Form von Tierhaltung, Waldumbau, Wasserretention) heisst mehr fruchtbare Böden, mehr Wasserspeicherkapazität und Infiltration, mehr Nährstoffe, mehr Lebensraum für Insekten & Co, mehr … und v.a. eine Kühlung (der bodennahen Schichten), Wärmeverlust in den Weltall, mehr Wolken mit mehr Niederschlag und mehr Sonnenlichtreflexion, was wiederum zur Kühlung des Klimas beiträgt, wie auch die kleinen (geschwächten) Wasserkreisläufte aktiviert.

Kurz gesagt: Wir könn(t)en mit der Natur arbeiten, um das Klima zu kühlen, die kleinen Wasserkreisläufe zu stärken und dabei die Land-, Forst- und Wasserwirtschaft resilienter und »fruchtbarer« zu machen.

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Artikel: Bedeckt die Böden! in der aktuellen Ausgabe von Ökologie & Landbau

Artikel: Bedeckt die Böden! in der aktuellen Ausgabe von Ökologie & Landbau

Das Thema »Vegetation, Böden, Wasser & Klima« fasziniert mich ja sehr zur Zeit – siehe meinen Vortrag dazu. Grundlage dafür ist ein wissenschaftlich formulierter Bericht für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), welcher demnächst raus kommt. In einer stark verkürzten und vereinfachten Version ist das Thema nun in der aktuellen »Ökologie & Landbau« veröffentlicht worden.

Posted by Stefan in Artikel, Klimaveränderung, Landwirtschaft, Natur, 0 comments
Artikel in der taz von mir: Fliegende Flüsse

Artikel in der taz von mir: Fliegende Flüsse

Mein »neues« Thema dreht sich ja um »Vegetation, Böden, Wasser und Klima«: Können wir mit mehr Vegetation (Zwischenfrüchte, Untersaaten, Agroforstwirtschaft, Waldumbau) und Bodenaufbau (angepasste ackerbauliche Tätigkeiten, Mobgrazing) mehr Wasser verdunsten, was zum einen den Wasserkreislauf fördert und zum anderen das Klima kühlt?

In der taz ist dazu ein Artikel von mir erschienen.

Demnächst auch ein wissenschaftlicher Artikel von mir dazu, publiziert von UNEP.

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