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Bessere Ökosystemdienstleistungen und Ertrag durch mehr Biodiversität – Erfahrungen aus dem Jena-Experiment

Bessere Ökosystemdienstleistungen und Ertrag durch mehr Biodiversität – Erfahrungen aus dem Jena-Experiment

Das Jena-Experiment läuft ja nun schon seit langer Zeit. Ein paar der spannenden Erkenntnisse zusammen gefasst:

  • Artenreichere Wiesen hatten über die gesamte Zeit des „Jena Experiments“ eine höhere Produktivität als artenarme Wiesen.
  • Die Energie der Biomasse (Bioenergiegehalt) von artenreichen Wiesen war deutlich höher als der von artenarmen Wiesen, zugleich aber ähnlich hoch wie viele der heute stark subventionierten Arten wie etwa von Chinaschilf.
  • Artenreiche Flächen hatten eine bessere Kohlenstoffspeicherung.
  • Die Anzahl von Insekten und anderen Arten war deutlich höher.
  • Wechselwirkungen zwischen Arten wie etwa Bestäubungen fanden häufiger statt.
  • Artenreichere Wiesen transportierten Oberflächenwasser besser in den Boden.
  • Artenreiche Ökosysteme waren stabiler gegenüber Störungen wie Dürren oder Überschwemmungen als artenarme Ökosysteme.

In etwas längerer Version:

  • Etwa 45 % der im „Hauptversuch“ gemessenen Ökosystemprozesse, bei dem die Pflanzenartenvielfalt von 1 bis 60 Arten reichte, wurden signifikant von der Pflanzenartenvielfalt beeinflusst. Viele Messwerte erreichten selbst bei 60 Pflanzenarten keine Sättigung, sondern nahmen linear mit dem Logarithmus der Artenvielfalt zu.
  • Es gab jedoch eine große Variabilität in der Reaktionsstärke zwischen verschiedenen Prozessen. Ein auffälliges Muster zeigte sich darin, dass viele Prozesse, insbesondere unterirdische, erst nach mehreren Jahren auf die Manipulation der Pflanzenartenvielfalt reagierten.
  • Die Diversität der meisten Organismen nahm mit steigender Pflanzenartenvielfalt zu. Dieser Effekt war bei oberirdischen Organismen stärker als bei unterirdischen und bei Herbivoren ausgeprägter als bei Karnivoren oder Detritivoren. Somit führt Diversität zu weiterer Diversität. Zudem war der Effekt auf die organismische Vielfalt stärker als auf die Artenhäufigkeit.
  • Messwerte zur Speicherung von Nährstoffen hatten oft einen positiven Zusammenhang mit der Pflanzendiversität. Beispielsweise nahm die Kohlenstoffspeicherung mit zunehmender Pflanzenartenvielfalt stark zu. Variablen des Stickstoffkreislaufs reagierten weniger stark auf die Pflanzenartenvielfalt als solche des Kohlenstoffkreislaufs.
  • Die Erhöhung der Pflanzenartenvielfalt von 1 auf 16 Arten hatte in absoluten Zahlen einen ebenso starken Effekt auf die Pflanzenbiomasse wie eine intensivere Grünlandbewirtschaftung durch Düngung und erhöhte Mahdhäufigkeit. Das potenzielle Bioenergiepotenzial aus artenreichen Flächen war mit dem konventionell genutzter Energiepflanzen vergleichbar. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass artenreiche „High Nature Value Grasslands“ multifunktional sind und eine Vielzahl von Ökosystemleistungen, einschließlich produktionsbezogener Leistungen, erbringen können.

Das Jena Experiment beweist aufgrund seiner Breite erstmals, dass ein Verlust der Artenvielfalt negative Konsequenzen für viele einzelne Komponenten und Prozesse in Ökosystemen hat. Das weltweite Artensterben bedeutet also nicht nur, dass ein Teil des evolutionären Erbes der Erde unwiederbringlich verloren geht und der Mensch seiner Fürsorgepflicht gegenüber anderen Geschöpfen nicht gerecht wird, sondern es hat direkte unangenehme Folgen für den Menschen. Das Artensterben wirkt sich unter anderem auch auf die Stoffkreisläufe aus – und diese nehmen direkten Einfluss auf den Wasserhaushalt, der Quell allen Lebens.

 

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Mehr als nur Wein: Wie Mischkulturen den Weinbau krisenfest machen können

Mehr als nur Wein: Wie Mischkulturen den Weinbau krisenfest machen können

Interessanter Beitrag von delinat über die Arbeit von Roland Lenz, ganzheitlich denkender regenerativer Winzer aus der Schweiz. Dieser Beitrag dreht sich „nur“ um das Thema „Monokultur Wein“ – denn seien wir mal ehrlich, das ist ja die monokulturellste Monokultur überhaupt. Auch wenn das Produkt immer wieder sehr lecker schmeckt. Also, Vielfalt brauchen die Rebanlagen. Und da entwickeln sich erste Ansätze (vom Verein Aufbauende Landwirtschaft e.V. hatten wir vorletztes Jahr eine spannende Webinar-Reihe plus zwei Feldtage zum „regenerativen Weinbau“ organisiert), zum einen am Boden mit ständiger vielfältiger Begrünung – Untersaaten und Zwischenfrüchten -, aber auch zwischen den Reben oder als Reihen mit diversen Sträuchern und Bäumen. Diese Maßnahmen fördern das Bodenleben, die Bodenfruchtbarkeit, Nützlinge und Klima – und fördern damit Resilienz und sichern die Produktivität.

https://www.youtube.com/watch?v=xEoZLNDkPV8
https://www.webinar-aufbauende-landwirtschaft.de/regenerativer-weinbau/

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Vielfalt in der Landwirtschaft bringt Mehrwert

Vielfalt in der Landwirtschaft bringt Mehrwert

Vielfalt statt Einfalt: Vermischung von Tierhaltung und Ackerbau, Integration von Blühstreifen und Bäumen, Wasser- und Bodenschutz und vieles mehr: Eine vielfältige Landwirtschaft nutzt nicht nur der Natur, sondern sichert auch uns Menschen die Nahrungsgrundlage und den Agrarbetrieben den wirtschaftlichen Ertrag. Das belegt eine aktuelle globale Studie im Fachjournal Science unter Mitwirkung des LIB und unter der Leitung der University of Copenhagen und der Universität Hohenheim.

Eine bunte Agrarlandschaft ist nach der Studie eine vielversprechende Lösung für eine nachhaltigere Nahrungsmittelproduktion mit einem ökologischen und sozialen Mehrwert bei effizienterer Ressourcennutzung – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Die Daten zeigen, dass Strategien, die der biologischen Vielfalt zugutekommen, auch die Ernährungssicherheit verbessern. In einer Zeit, in der die Aussichten für den Schutz der Umwelt und eine Verbesserung der sozialen Bedingungen für Landwirtinnen und Landwirte oft düster erscheinen, skizzieren die Ergebnisse einen vielversprechenden Weg für die Gestaltung der globalen Agrarpolitik, folgern die Autorinnen und Autoren.

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Biodiverse Pflanzengemeinschaften passen sich besser an Trockenheit an

Biodiverse Pflanzengemeinschaften passen sich besser an Trockenheit an

Spannende Erkenntnisse:

Pflanzen, die in Ökosystemen mit vielen verschiedenen Arten wachsen, können sich besser an Dürren anpassen, als Pflanzen in Monokulturen. Das ist ein zentrales Ergebnis im Rahmen des sogenannten Jena Experiments.

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Zürich hatte in dem Freilandversuch nördlich von Jena mehr als zehn Arten von Wiesenpflanzen im Sommer von Regen und anderen Niederschlägen abgeschirmt und sie so einem starken Trockenstress ausgesetzt. Die Forscher sammelten dann die Samen der dürregeplagten Pflanzen und zogen daraus eine neue Generation. Diese Nachkommen konnten mit neuerlichem Trockenstress deutlich besser umgehen, als eine Kontrollgruppe, deren Elternpflanzen keine Dürre erlebt hatten. Voraussetzung für diese Anpassung war aber, dass die Vorfahren die Trockenheit zusammen mit mindesten einer weiteren Art erlebt hatten, nicht in einer Monokultur.

Zudem konkurrierten die Nachfahren der in Mischkulturen gewachsenen Pflanzen weniger gegen andere Pflanzenspezies.

Hier der wissenschaftliche Artikel dazu.

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Präsentation: Armin Meitzler // Mit Vielfalt zum Erfolg für Mensch & Natur // Symposium „Aufbauende Landwirtschaft“ 2021

Präsentation: Armin Meitzler // Mit Vielfalt zum Erfolg für Mensch & Natur // Symposium „Aufbauende Landwirtschaft“ 2021

Ein spannender Vortrag von Armin Meitzler zum Thema »Mit Vielfalt zum Erfolg für Mensch & Natur – Regenerative Landwirtschaft in der Praxis«.

Symposium „Aufbauende Landwirtschaft“ 2021
Treffpunkt für Vordenker und visionäre Praktiker in der Landwirtschaft

Im Fokus des Symposiums standen Erfahrungsberichte von Landwirten, Gärtnerinnen und Beratern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die verschiedene Aspekte einer aufbauenden Landwirtschaft umsetzen.

Themen waren u.a.: Mischkulturen, Untersaaten und Zwischenfrüchte; Agroforstwirtschaft; pfluglose und Minimal-Bodenbearbeitung und Direktsaat; Kompostierung und Mulch; Immunsystem der Pflanzen, vitalisierende Blattspritzungen, Rotte-Steuerung und Effektive Mikroorganismen; Solidarische Landwirtschaft, Direkt-Vermarktung, regenerative Landwirtschaft.

Armin Meitzler bewirtschaftet mit seiner Familie einen 250ha großen Betrieb (incl 24ha Weinbau) in Rheinhessen, seit 2012 als Bioland. Ihre Stärke ist die vielfältige Fruchtfolge mit jährlich ca 18-20 Kulturen. Seit 2014 sind sie Leitbetrieb für Rheinland-Pfalz im ökologischen Landbau, und Demonstrationsbetrieb im Sojaanbau für Rheinland-Pfalz. 2016 lernten sie das System der regenerativen Landwirtschaft von Friedrich Wenz und Dietmar Nässer kennen. Seit dem arbeiten sie zusätzlich regenerativ und sind auch Seminarbetrieb für die Bodenkurse der Grüne Brücke. Seit 2017 Mitglied Bundesfachausschuss für Landwirtschaft im Biolandverband; Gründungsmitglieder der Stiftung »Lebensraum. Mensch. Boden. Wasser. Luft«. Gründung der Vermarktungsgenossenschaft Bio-Familie-Rheinhessen eG.

http://aufbauende-landwirtschaft.de/
http://symposium.aufbauende-landwirtschaft.de/
https://www.webinar-aufbauende-landwirtschaft.de/

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Martin Ott über Boden, Pflanzen, Tiere, Menschen – und über Zwischenräume

Martin Ott über Boden, Pflanzen, Tiere, Menschen – und über Zwischenräume

Interessanter Vortrag von Martin Ott über die verschiedenen Ebenen der Landwirtschaft, die Beziehungen von Boden, Pflanze, Mensch und Tier. Und, ganz spannend, über »die Räume dazwischen«.

In der Permakultur heisst ein Muster ja: »Nutze Randzonen und schätze das Marginale«, denn da, wo zwei Ökosysteme zusammen kommen (Wald & Wiese = Waldrand; Land und Meer = Watt), besteht mehr Vielfalt, da von die Pflanzen & Tiere von beiden Systemen quasi übergreifend Platz finden können (etwas vereinfachte Darstellung). Martin Ott nennt da aber doch noch mal andere Zahlen, die faszinierend sind: Wenn im Wald 5-8 Vogelarten vorkommen, und auf der Wiese ebenso, dann finden in einem vielfältig gestalteten Übergang zwischen diesen Räumen 50-60 Vogelarten dort ihre Heimat. Wow!

Gestaltet die Zwischenräume!!

Können diese Aussagen von Ornithologen bestätigt werden?

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Michael Horsch: Brasilianische Ackerbauern in der angewandten Mikrobiologie am weitesten voraus

Michael Horsch: Brasilianische Ackerbauern in der angewandten Mikrobiologie am weitesten voraus

Interessantes Interview von Michael Horsch – von den Horsch-Landmaschinen – zu Landwirtschaft & Ernährung. Seiner Meinung nach sind andere Länder – allen voran Brasilien – den Deutschen weit voraus, wenn es darum geht sich mit der Mikrobiologie des Bodens auseinander zu setzen und die Bewirtschaftung entsprechend anzupassen – Stichwort z.B. vielfältige Zwischenfrüchte.

Aber er argumentiert auch gegen die weitverbreitete Fast-Food-Ernährung und stark verarbeitete Lebensmittel. Gesunde Lebensmittel produzieren gesunde Menschen – was bei ihm (das weiss ich auch aus eigenen Gesprächen mit ihm) zu einem echten Sinneswandel vor ein paar Jahren nach einer Reise in die USA geführt hat.

Demnächst also werden seine Spritzen nicht mehr Pestizide, sondern Bakterien und Pilze spritzen! Hört, hört!!

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